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FOTOGRAFIE IST FREI

Es ist ein kleiner Feiertag für die Fotografie in Österreich! Nachdem jahrelang diskutiert und verhindert wurde, ist die Fotografie kein reglementiertes Gewerbe mehr, sondern ab sofort ein freies Gewerbe. Was bedeutet das für Dich?

Zuerst kurz zur Vorgeschichte – Bis Ende 2012 war Fotografie ein sehr streng reglementiertes Gewerbe in Österreich. Das heißt, nur wer den sogenannten “Vollfotografie Gewerbeschein” hatte, durfte seine Arbeit jedem Anbieten der sie gerne kaufen wollte. Dazu gab es die Möglichkeit einen Pressefotografie Gewerbeschein zu lösen, der frei war. Aber auch mit enormen Einschränkungen belegt war. Kurz – Der Pressefotograf durfte nur für Tagesaktuelle Berichterstattung in Medien arbeiten. Alles andere war dem Vollfotografen vorbehalten. Für diesen Vollfotografie Gewerbeschein war eine Meisterprüfung nötig. Diese wurde von der Innung selbst abgenommen und wer keine Lehrausbildung vorweisen konnte wurde nicht selten so lang geprüft, bis er endlich durchgefallen war. Ab sofort sind alle diese Hürden Geschichte. Fotografie ist jetzt ein freies, unreglementiertes Gewerbe. Auch wenn mich das nicht persönlich betrifft, meiner Meinung nach eine längst überfällige und sehr erfreuliche Tatsache!

HIER FINDEST DU DAS SCHREIBEN DES VGH ZUR NEUREGELUNG

NEUE MÖGLICHKEITEN

Wenn Du schon länger darüber nachgedacht hast, dass Du eigentlich mit Deiner Leidenschaft deinen Lebensunterhalt verdienen willst, bisher aber von den gewerblichen Regelungen davon abgehalten wurdest, so steht Dir jetzt nichts mehr im Weg. Ab sofort zählt ausschließlich das was Du machst und wie Du es machst. Nicht mehr, welches Papier Du in Händen hältst.

EIN KLEINER WEGWEISER

Die Frage die sich zu allererst stellt – Wie fang ich das an?
Ich hab den heutigen “Feiertag der Fotografie in Österreich” zum Anlass genommen, eine kleine Liste zu erstellen, wie Du Dich jetzt Schritt für Schritt deinem Ziel, von der Fotografie zu leben, annähern kannst. Liste wäre etwas übertrieben, nennen wir es einen ersten groben Wegweiser. Ich freu mich drauf, bald viel mehr davon zu schreiben. Seien es Tipps wie Du bessere Fotos machst wie diesen Gastartikel auf bloggen.co, technische Anleitungen und Hilfen in meinem Blog, 1000 Fragen zur Fotografie zu beantworten, oder im Shootcamp einen kompletten Kurs zu machen, von dem Tag an dem Du die erste Kamera kaufst bis hin zum Einstieg in die professionelle Fotografie.

1. Die Technik ist nur ein Werkzeug

Mach Dir schon von Anfang an klar, dass die Technik die Du verwendest, ob Kamera, Licht oder sonstige teure aber schöne Spielsachen unterm Strich “nur” das Werkzeug sind. Viel wichtiger als die Qualität des Werkzeuges wird es sein, Deinen eigenen Stil zu entwickeln, zu sehen und das was du im Kopf hast auch umzusetzen. Kunden kaufen keine Techniker, sie kaufen gute Bilder. Und sie wollen mit Menschen arbeiten, die Ideen einbringen, die ihr Handwerk verstehen und die Vorstellungskraft besitzen. 90% aller Kunden die du je haben wirst, kennen sich mit der Technik erheblich weniger aus als Du denkst. Aber sie erwarten, dass jemand das was sie fotografiert haben wollen versteht, sich damit auseinandersetzt und ihnen etwas liefert, das ihren Vorstellungen entspricht. Oder sie idealer Weise übertrifft.

2. Ein Gewerbeschein ist noch kein Job

Den Gewerbeschein zu haben ist wunderbar. Ich gehe davon aus, dass tausende in den nächsten Wochen die WKO stürmen werden um sich den freien Gewerbeschein zu holen und endlich für Kunden arbeiten zu können. Den Schein morgen in Händen zu halten, macht aber niemanden zu einem besseren Fotografen als er es heute war. Jetzt geht die wirkliche Arbeit erst los. Und lass Dich nicht bleden von ein paar Freunden, die dir gesagt haben, dass Deine Fotos schön sind. Auch das reicht noch nicht um damit seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Lernen, in Bewegung bleiben, besser werden. Man muss nicht der Beste sein um zu Beginnen, aber man muss jeden Tag besser sein, als am Tag davor um in dieser Branche zu überleben. Frag etablierte Fotografen um Rat, lese ihre Blogs, lass Dich von den Arbeiten inspirieren und stell dich darauf ein, dass du nur einen Bruchteil Deiner Arbeitszeit mit Fotografie selbst verbringen wirst.

3. Die Preispolitik

Informiere Dich von Anfang an über die Preisgestaltung in deiner Region bzw in Österreich im allgemeinen. Zu teuer anzubieten kann natürlich viele Kunden abschrecken oder bedeuten, dass man einen Auftrag nicht bekommt. Und grad zu beginn muss man oft Kompromisse eingehen um sein Portfolio überhaupt erst mal aufzubauen. Zu billig anzubieten kann aber noch viel katastrophaler sein. Aus meinen Jahren als selbstständiger Fotograf kann ich Dir eine Erfahrung auf den Weg mitgeben – ein Kunde, für den Du ein mal zu billig gearbeitet hast, wird Dir NIEMALS mehr für Deine Arbeit zahlen. Ganz egal wie sehr er Dir versprochen hat, dass der erste Auftrag nur ein Einstiegshonorar ist und wenn der gut läuft, kriegst Du beim nächsten mal das doppelte. Das passiert in der Praxis nicht.
Bedenke auch immer mit, dass es für Dich selbst nicht sonderlich gescheit ist, die Preispolitik in deiner Region zu ruinieren mit Dumping Preisen. Gute Fotografen werden nach wie vor ihre Arbeit für ihre Honorare verkaufen können. Allerdings wird keiner der neuen jemals den Sprung schaffen damit seinen Lebensunterhalt zu verdienen, solang man sich gegenseitig mit Diskontpreisen ruiniert. Arbeit hat Wert und der muss auch bezahlt werden.

Es wäre schade, wenn noch mehr Fotografen an ihrer eigenen Dumpingpreispolitik scheitern, nur weil sie vergessen, dass man in ein Honorar weitaus mehr mit einrechnen muss, als nur die Arbeitszeit. Das Equipment kostet Geld, im Profibereich noch viel mehr als im Amateurbereich. Es gibt viel zu tun, abgesehen vom fotografieren. Buchhaltung, Werbung, Digitale Daten managen, lernen,… Man sagt, dass ein Fotograf nur 5-10% seiner Arbeitszeit mit fotografieren verbringt. Wer vergißt das alles mit einzurechnen, schließt sein Gewerbe spätestens nach den ersten SVA Nachzahlungen nach 3 Jahren oder wenn das Equipment ausgetauscht werden sollte. Ich hab mal eine ganz grobe Kostenaufstellung in meinem Blog über die Wahl des richtigen Hochzeitsfotografen angestellt. Die ist wie gesagt grob und nicht zu 100% auf jeden Fotografen anzuwenden. Aber sie hilft hoffentlich einen Überblick zu kriegen.

4. Geh in Dich

Eigentlich sollte das der erste Punkt sein. Fotografie als Beruf ist das Beste das ich mir vorstellen kann. Aber es muss einem auch klar sein, dass sich alles verändert, wenn man von seinem Hobby zum Beruf wechselt. Die Freiheit zu tun und zu lassen was man will und die Kamera ausschließlich für Spass in die Hand zu nehmen ist damit weitgehend dahin. Du wirst nicht einfach hin und wieder ein gutes Bild schiessen müssen, das du Dir völlig Frei von Vorgaben überlegt hast. Du wirst das was sich dein Kunde wünscht verstehen müssen und dann im Stand sein es umzusetzen. Das ist weitaus härtere Arbeit als man sich zu Beginn vorstellt. Keine Atomwissenschaft, aber harte langjährige Arbeit. Wenn man sich das gleich klar macht, ohne zu erwarten morgen früh ein Starfotograf zu sein, dann tut man sich schon mal wesentlich leichter. Man muss sich außerdem von Anfang an eigene Freiräume schaffen um den Spass nicht zu verlieren und sich die Zeit einteilen, freie Arbeiten zu machen. Sonst verliert man über die Jahre sein schönstes Hobby. Das wäre ein Jammer.

5. Lebe nicht nur davon, sondern dafür

Schon vor dieser Neuregelung, aber ganz bestimmt danach, ist es nur möglich von der Fotografie zu leben, wenn man wirklich dafür lebt. Liebst du wirklich was du tust, dann lass Dich voll und ganz darauf ein, nimm finanzielle Einbußen in kauf und lass dich nicht in Versuchung führen zu jammern. Es ist ein langer, harter aber sehr lohnender Weg der vor Dir liegt. Genieße ihn. Auch in den Tiefs die kommen werden. Der Weg zum Erfolg in der Fotografie ist einfach erklärt – Hol aus jedem Job das Beste raus das Dir möglich ist. Behandle jeden Kunden und jeden Job, ganz besonders zu Beginn, so als wäre es der größte und wichtigste Job den je ein Fotograf angenommen hat. Wenn Dir das über die Jahre gelingt, wird dein Kundenstock kontinuierlich wachsen und bevor Du es noch mitbekommst drehst Du dich eines Tags um und siehst “ich habs wirklich getan. Ich lebe davon”. Der Moment wird fantastisch, freu Dich drauf!

 

TEIL 2 – ERSTE TODO LISTE FÜR ANGEHENDE PROFIFOTOGRAFEN

 

Ich freu mich auf gemeinsames Lernen im Shootcamp
Gutes Gelingen und eine spannende Zeit!

 

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14 comments
Csaba
Csaba

Zwischen Fotografie und Fotografie und professioneller Fotografie ist ein Unterschied...ein Gewerbeschein macht noch keinen Fotografen und schon gar nicht einen Profi!


ABER...Fotografie ist auch Kunst und nun haben viele die Möglichkeit mit dieser Kunst Geld zu verdienen...was gefällt bleibt einem immer selber überlassen und wenn es gefällt ist man bereit dafür zu zahlen, ganz gleich ob gelernt oder selber beigebracht...


...und wenn es nicht klappt hat man es versucht!

Robert Kalb
Robert Kalb

Christian, vielen Dank für Deine Tipps und Hinweise! Es ist ja nicht selbstverständlich das heutzutage noch jemand anderen weiterhilft. Ich würde gerne folgendes lernen: Portraitfotografie mit externen Blitz, ohne Blitz Hochzeitsfotografie (nur lernen :-)) Lichtsetzung im Studio Vielleicht ergibt sich das mal in Deinen Kursen!? Gruss Robert

Thomas Steibl
Thomas Steibl

Finally. Es wurde ja auch wirklich Zeit. Feiner Beitrag von dir Christian!

Christian Anderl
Christian Anderl

Danke Thomas. Und stimmt, es wurde wirklich allerhöchste Zeit!

Christian Anderl
Christian Anderl

danke! ich hab mir grad deine website angesehn, hammer portfolio! freu mich drauf wenn das wächst und mehr davon zu sehen ist ,-)

Erwin Hahn
Erwin Hahn

Finde ich Super. Angebot , Nachfrage, Kunst und Kreativität regeln dieses Geschäft, nicht irgendein Gewerbeschein.