Analog zum Einstieg | Christian Anderl

Analog zum Einstieg

Frage:
Ich bin totale Einsteigerin und frag mich ob es eventuell Sinn macht, analog zu beginnen. Irgendwie taugt mir das mehr, aber ich weiß nicht ob ich mich dann nicht mehr ärgere als Spass dran hab. Fotografierst du noch analog und wenn ja, warum?

Ich kann gut verstehen, dass dir analog besser gefällt als digital. Ich empfehle meinen Einsteiger Workshop Teilnehmern prinzipiell sich eine günstige analoge Kamera zuzulegen und damit fotografieren zu lernen. Warum? Weil eine analoge Kamera reduziert ist auf die wesentlichen Dinge des Fotografierens und den ganzen technischen Schnickschnack der digitalen Fotografie beiseite lässt. Analog fotografieren bedeutet Blende und Belichtungszeit verstehen und im Griff haben, sich mit ISO der Filme auseinanderzusetzen und zu wissen in welcher Situation man welchen Film verwenden sollte, sich vor jedem Abdrücken gut zu überlegen ob das Foto wirklich eines ist das man auf Film und Papier haben will weil jede Auslösung Geld kostet. Und vor allem – Entschleunigung!

Was beim Einstieg in die digitale Fotografie nämlich so stresst, ist vor allem die Möglichkeit nach dem abdrücken sofort auf den Bildschirm zu schauen. Dann sieht man da ein Foto das einem nicht gefällt. Aber anstatt sich langsam Gedanken drüber zu machen warum das nicht zufriedenstellend geworden ist, fängt man an wild an irgendwelchen Knöpfen rumzudrücken (und davon gibts an Digitalkameras eine Menge) und drückt nochmal und nochmal und nochmal ab. Selten mit viel Erfolg. Meistens mit viel Frust. Irgendwann liegt die arme Kamera dann im Eck und ist auch noch Schuld daran, dass jemand mit ihr nicht fotografieren konnte 🙂

Mit einer analogen Kamera muss man sich vorher genau überlegen was man will, den Film danach wählen, Blende und Belichtungszeit einstellen und dann wohlüberlegt abdrücken. Tage oder Wochen später bekommt man dann das Ergebnis und kann sich anschauen was man da eigentlich gemacht hat. Idealerweise schreibt man sich beim Fotografieren auch die verwendeten Einstellungen auf und kann dann mit den Fotos genau durchgehen welche Ergebnisse das gebracht hat. So versteht man zwar langsamer, aber dadurch unterm Strich viel schneller was Blende und Belichtungszeit tun und welche Rolle die ISO dabei spielt. (war das zu verwirrend? Wenn mans ein paar mal liest machts Sinn, versprochen ;))

Wenn man analog beginnt, tut man sich meiner Erfahrung nach später auch im digitalen Bereich erheblich leichter.
Also um die Frage kurz und bündig zu beantworten – ja ich fotografiere noch immer sehr gern analog und wenn es dich sowieso interessiert und du nicht nur knipsen möchtest, sondern dich mit Fotografie wirklich auseinandersetzen willst, würd ich dir sogar sehr dazu raten analog zu beginnen. Du wirst viel Spass dabei haben! 😉

Dazu kann ich dir auch diesen Gastartikel von den Analog Docs (Matthias Hombauer und Karl Blümel) auf meinem Blog ans Herz legen. Sehr informativ und macht wirklich Lust auf analog! Inklusive ein paar Filmempfehlungen und Belichtungseinstellungen zu den jeweiligen Filmen.

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