Gleich vorweg – du brauchst keine neue Kamera. Diese Fotografie Tipps sind zeitlos, kosten dich keinen Cent, du mußt nichts kaufen, im Gegenteil, vielleicht bessern sie sogar deine Fotokasse etwas auf und du wirst unnötigen Ballast los.
Du wirst sehn, wenn du diese konsequent umsetzt und verfolgst, hast du mehr als genug zu tun ,-)
Die gute Nachricht ist – diese Fotografie Tipps sind – genau wie mein Artikel über die Anfängerfehler – keine technischen „how to“ Tipps, ich will sie nicht die „besten Tricks“ nennen und trotzdem – oder gerade deswegen – wirst du einiges lernen, wenn du sie beherzigst.
Diese Fotografie Tipps sind eher Anregungen, wie du deine Denkweise etwas anpassen und damit wesentlich bessere Fotos erzielen kannst, ohne neue Kameras oder anderes Spielzeug kaufen zu müssen.
Aber Vorsicht – hier liegt der berühmte „Hund im Detail“.
Los geht´s:
1. Ein Fotografie Tipp der Geld spart: Reduziere dein Equipment (und sei streng dabei)
Einer meiner liebsten Fotografie Tipps mit dem ich fast jedes Gespräch über Verbesserungsvorschläge, ob im Shootcamp oder sonstwo beginne: Verwende eine Kamera, ein Objektiv, leg dich auf so wenig wie möglich fest und versuche daraus das Beste rauszuholen.
Fotografie steckt seit den Smartphones in unseren Hosentaschen und die Qualität steigt Jahr für Jahr. Mehr Equipment bringt mehr Möglichkeiten und somit sehr leicht mehr Chaos in den Kopf. Du verlierst den Fokus aufs wesentliche und die Kreativität in den Fotos sinkt statt zu steigen.
Ich will nicht sagen, du brauchst nichts mehr außer der Kamera in deiner Hostentasche. Natürlich hat Werkzeug auch immer gute Gründe und für manche Anwendungen reicht ein Smartphone oder eine günstige Kamera vielleicht nicht mehr aus.
Aber weniger ist mehr und zu viel kann mehr bremsen, als es bringt. Egal was du grad dabei hast, es zählt was du kannst und was du aus vorhandenem Equipment rausholst.
Ein paar Tipps und Ratschläge die ich gern vom ersten Tag an gewußt hätte habe ich auch in diesem Video zusammengefasst, auch das ist eines der Dinge, die ich gern am ersten Tag gehört hätte:
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Fordere dich selbst heraus!
Ob du 1 Objektiv pro Monat festlegst oder eines pro Jahr ist unerheblich. Geh nicht mit zu viel Equipment spazieren. Nicht nur, dass dir das nicht zwingend hilft bessere Fotos zu machen, es kann dich unter Umständen sogar daran hindern.
Manchmal ist es äußerst hilfreich, sich ausschließlich auf eine Kamera mit einem Objektiv und die Grundlagen des Belichtungsdreiecks zu beschränken.
Wenn dein Kopf sagt „Oh, mit DER Kamera oder mit DEM Objektiv könnte ich …“ brems ihn einfach sofort aus und frag dich – „Was könnte ich mit dem machen was ich gerade zur Verfügung habe?“
An dieser Stelle seit auch kurz erwähnt – Canon, Nikon, Sony, Olympus, Leica, … bitte lass dich nicht dazu hinreissen ein „religiöser Anhänger“ einer Kameramarke zu werden. Es wird so viel (großteils Blödsinn) online diskutiert und an jeder Ecke findet sich jemand, der dir erklären kann, warum die Marke die er benutzt die einzig Wahre ist.
Kameramarken gehören definitiv zu den am meisten und sinnlosesten diskutierten Dingen in der Fotografie 😉
Die einzige richtige Kamera für dich ist die, mit der du dich wohl fühlst und die das tut, was du brauchst.
Wenn du grade eine neue Kamera suchst, vielleicht hilft dir dieser Artikel mit Video und Selbsttest den ich dazu gemacht habe.
2. Werde ein besserer „Geschichtenerzähler“
Fotografen arbeiten nicht mit Kameras. Ja, klar, das machen wir, weil es unser Werkzeug ist. Aber so wie ein Koch nicht behaupten würde, er arbeitet mit Messern und Töpfen, sondern mit Zutaten und seiner Kreativität, so sollten wir uns nicht selbst auf unsere Kameras reduzieren.
Womit wir wirklich arbeiten, was unsere eigentlichen Zutaten sind, das beschränkt sich im wesentlichen auf Licht (dazu kommen wir noch) und Geschichten erzählen.
Ein gutes Foto zeichnet sich einerseits natürlich durch ansprechende Bildgestaltung, Lichtsetzung, Bildaufbau, Farben (oder bei schwarz weiß Kontraste) usw. aus und andererseits (meiner Meinung nach sogar noch wichtiger) – es erzählt eine gute Geschichte.
Egal ob der Ausdruck eines Menschen in einem Portrait oder ein Reportagefoto, ja selbst ein gelungens Landschaftsfoto, ein Sportfoto, ein Vogel im Flug … sie alle erzählen im Idealfall eine Geschichte, vermitteln einen Ausdruck, einen Moment, lassen uns etwas fühlen.
Das kann, muss aber nicht „offensichtlich“ sein.
Es kann auch ausreichen, die Fantasie des Betrachters anzuregen, sodass das Foto für jeden der es sieht eine eigene Geschichte erzählt.
Aber in jedem Fall erzählt ein gutes Bild in irgend einer Form irgendwem irgend eine Geschichte 😉
Also arbeite an deinem eigenen „Storytelling“.
Arbeite daran selbst zu erkennen, welche Geschichten in Fotos von anderen dich ansprechen. Finde heraus, warum dich ein Foto anspricht oder warum es dich nicht anspricht. Entdecke den Geschichtenerzähler in dir und versuche das in deine Fotos einfließen zu lassen.
3. Respektiere jedes noch so unscheinbare Motiv und mach einen Rockstar daraus
Wir reden uns zu oft auf mangelnde Motive raus.
Viel zu oft.
„Naja, da war halt nix schönes“ … Es gibt überall Motive und es liegt einzig und allein an dir und deinem Kopf, was du draus machst. Je unscheinbarer ein Motiv sein mag, umso mehr Möglichkeit gibt es dir daran zu wachsen.
Stell dich der Herausforderung erst recht, wenn du meinst das Motiv wäre „schlecht“, oder es wäre gar keines Vorhanden. Dort hast du das meiste Potenzial ein besserer Fotograf zu werden.
Geh mit offenen Augen durch die Welt und finde Farben, Formen und Motive wo andere sie nicht sehen. Genau das macht den Unterschied aus.
Je besser du das übst umso mehr wird deine Fotografie daran wachsen.
Und Apropos „gehen“ – bleib in Bewegung. An einem Ort stehend überblicken wir eine Szenerie nicht wirklich, erst wenn wir uns bewegen, kommen Dinge zum Vorschein, die vorher versteckt waren.
Neue Perspektiven findet man nicht, indem man an einem Ort stehen bleibt und darüber nachdenkt sondern in der Bewegung. Stehenbleiben und „zoomen“ gehört zu den schmerzhaftesten Anfängerfehlern die manche sehr lange durchziehen 😉 Das gilt für das Leben genauso wie für Fotografie.
Ein Beitrag geteilt von Einfach Besser Fotografieren (@shootcamp.at) am Jan 30, 2018 um 10:37 PST
4. Stürze dich auf das vermeintlich „schlechte Licht“ und mach das Beste draus
Shootcamper wissen, wie sehr ich darauf beharre: Es gibt kein „schlechtes Licht“. Es gibt nur Licht!
Viel Licht, wenig Licht, weich, hart, in allen Farben und Varianten. Sich darauf rauszureden, dass das Licht eben schlecht sei und man da nun mal nichts machen kann ist einfach. Aber es ist auch falsch und bringt dich nicht weiter.
Wenn du mit deinem Blitz ordentlich umgehen kannst, dann gibt es nie wieder „schlechtes Licht“, denn du kannst aus jeder Situation etwas machen.
Und selbst ohne Blitz, rede dich nicht auf das vorhandene „schlechte Licht“ aus.
Versuch einfach mal das Gegenteil.
Herausfordernde Lichtsituation? Frag dich, was du trotzdem (oder grade deswegen) aus der Situation machen könntest. Die ISO deiner Kamera reicht nicht hoch genug? Besorg dir Licht. Vielleicht eine Taschenlampe, ein Feuerzeug, ein Smartphone Screen … Mach das Beste aus der Situation und trotzdem – oder gerade deswegen – ein super Foto daraus.
5. Kategorie Fotografie Tipps die du hier vermutlich nicht erwartet hast: Klebe deinen Kamerabildschirm ab!
Eine Übung und einer meiner liebsten Fotografie Tipps die ich schon seit 2009 sehr gern bei Studioworkshops mal schnell aus dem Ärmel ziehe.
Ungewöhnlich, das ist mir klar. Aber sie funktioniert nun mal.
Gaffer Band (oder gern auch etwas sanfteres, das nicht jahrelang an der Kamera kleben bleibt) auf den LCD Schirm und fertig. (Funktioniert natürlich nur bei Kameras mit eigenem Sucher 😉 „Aber … Aber … da seh ich ja nichts mehr…“ Ganz genau! Da musst du denken, weil du nichts mehr siehst 😉
Ich tu mir das auch regelmäßig „zufleiss“. Weil es wirklich hilft die Gedankenwege im Kopf zu verändern und umzukehren. Klar ist es ein Vorteil alles sofort auf dem Bildschirm kontrollieren zu können. Aber die Gemütlichkeit von DSLR Kameras mit Bildschirm macht uns manchmal unachtsam. Einfach mal abdrücken, immerhin kann man ja gleich nachschauen, ob das Ergebnis paßt.
Wenn du übst zuerst zu denken, dir zu überlegen was du warum tust und dann erst abdrückst, ersparst du dir langfristig Unmengen an Zeit und Frust in der Fotografie.
Aber ehrlich, nicht in jeder Situation hast du „keine Zeit über die Einstellungen vorher genauer nachzudenken“. Sehr oft willst du einfach nicht. Mach es trotzdem. Es wird deinen Denkprozess vor dem abdrücken trainieren, das wird dir mit der Zeit enorm zugute kommen und es wird immer weniger anstrengend werden. Aber es macht dich langfristig zu einem besseren Fotografen.
Ein Beitrag geteilt von Einfach Besser Fotografieren (@shootcamp.at) am Jul 31, 2017 um 11:06 PDT
6. Geh ins Museum
Schau dir Bilder alter Maler an. Fotografie Tipps und dann Museum? Ja genau, die großen Meister konnten nicht nur sehr gut mit einem Pinsel umgehen. So wie die Kamera das Werkzeug für Fotografen ist, sind Pinsel und Farbe das Werkzeug der Maler. Womit sie aber noch viel mehr gearbeitet haben als mit Pinsel, ist Licht.
Ein Bild entsteht mit dem Pinsel, aber der Ausdruck wird durch Licht bestimmt, das der Maler sehen und lesen können muss. Die Techniken lassen sich in beiden Fällen recht rasch erlernen. Was du daraus machst ist der wesentliche Punkt.
Maler arbeiten genauso mit Licht und nach den selben Gestaltungsregeln wie Fotografen. Sie können die selben, brechen die selben Regeln aber mit Absicht. Und sie arbeiten ebenfalls sehr viel mit Gestalt, Information und Emotion in ihren Bildern. Man kann von Malern als Fotograf enorm viel lernen. Und man lernt auch noch ein wenig Kultur, so ganz nebenbei.
7. Kauf dir eine analoge Kamera
Schon zu oft gehört diesen König unter den Fotografie Tipps? Dann hör doch endlich mal drauf 😉 Im Ernst, analoge Fotografie macht so viel Spaß. Ich will nicht sagen mehr Spaß als Digitale. Ich will auch nicht in diese „nur wer analog kann, kann wirklich fotografieren“ – Gesänge mit einstimmen.
Die sind einfach Blödsinn!
Aber ja, analoge Fotografie bringt dich der Fotografie auf einem etwas anderen Level näher, als die digitale Fotografie das kann. Nicht besser, aber es ist eine großartige Ergänzung, du wirst sehen. Du lernst Fotografie aus einer anderen Perspektive kennen und lernst auch auf der technischen Seite den Umgang mit dem Minimum – Blende, Belichtungszeit, ISO und Filmauswahl.
Das wird dir in der digitalen Fotografie und um Verständnis enorm weiterhelfen. Analoge Kameras kosten nicht viel, Film und Ausarbeitung sind auch leistbar, gib ihm eine Chance 😉

8. Druck deine Fotos
Digitale Fotografie ist großartig. Wir haben Vorteile, die wir damals in der Dunkelkammer nicht hatten.
In der Dunkelkammer war die Ausarbeitung eines Bildes ein langer Prozess. Ich mußte mich in einem dunklen Raum wegsperren und nach vielen Stunden bin ich mit einer handvoll Fotos rausgekommen. In der selben Zeit kann ich jetzt theoretisch hunderte Fotos bearbeiten und „fertig machen“.
Aber genau das ist der Punkt.
Wir machen unsere Fotos nicht mehr fertig, wenn wir sie nur digital bearbeiten und verwenden.
Wir lassen damit den wesentlichsten Teil in der Fotografie aus. Nämlich ein fertiges Foto zu machen.
Fotos nur digital zu speichern ist wie wenn man in einem Restaurant alle Zutaten und das Rezept auf einen Teller legt und dem Gast serviert. Würden wir nicht machen. Warum also digital.
Wenn du das Foto nur digital fertigstellst weißt du nie, wie das auf dem (billigen, nicht kalibrierten,…) Bildschirm anderer Menschen aussieht.
Wenn du deine Fotos ausdruckst (oder drucken läßt) wirst du sehen, dass sowohl für dich selbst als auch für Menschen die deine Fotos anschauen, ob Kunden, Freunde, Familie, die Wertigkeit der Bilder wieder steigt.
Ich hab das gesamte Plädoyer für gedruckte Fotos in dieses Video gepackt:
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9. Fotografie Tipps die du nicht hören willst: Lies die Bedienungsanleitung
Echt jetzt? Im Ernst? Hab ich das wirklich geschrieben? Ausgerechnet bei den Fotografie Tipps?
Ja. Auch in den Shootcamp Kursen empfehle ich dringend die Anleitung zur Hand zu nehmen. Nicht ständig, nicht alles lesen, aber bei ein paar wesentlichen Dingen hilft sie nun mal.
Kann man mit der fotografieren lernen? Sicher nicht.
Aber es hilft enorm wenn du einfach weißt, was deine Kamera kann und was nicht. Und vor allem wo du das was sie kann überhaupt findest.
Kein Workshop oder Kurs bringt dich weiter, wenn du nicht mal weißt, wo du findest wovon gerade geredet wir.
Das bringt dich besser durch Punkt 1 – hol das bestmögliche aus dem heraus, was du schon hast, statt neues Zeug zu kaufen ,-)
Und druck dir diesen „Belichtungsdreieck-Spickzettel“ aus und pack ihn in die Fototasche. Es hilft manchmal den Überblick zu behalten 😉 PDF Download
10. Das unerwartete +1 meiner Fotografie Tipps: Leg die Kamera mal weg!
Absurder Tipp? Besser fotografieren indem man die Kamera weglegt? Ok, das hängt jetzt natürlich stark davon ab, wie oft du sie grad in der Hand hast. Aber solltest du zu denen gehören, die sehr viel fotografieren und gerade (wieder mal) so eine Phase des Stillstands haben – leg die Kamera beiseite.
Fotografieren bedeutet gute Geschichten in Bildern erzählen, Menschen erstaunen, unterhalten, zum Nachdenken anregen, in einen Moment holen, in welcher Form auch immer – sie zu berühren. Das setzt aber auch voraus, dass man etwas erlebt, selbst inspiriert und berührt wird und zum Nachdenken angeregt wird.
Das passiert aber nicht so sehr, wenn man ständig hinter der Kamera klemmt. So sehr ich Fotografie liebe, manchmal brauchen wir beide eine Pause. Genau dann nämlich, wenn ich mir in viel zu vielen Situationen des Tages denke „das wär ein gutes Bild“. Dann wird es Zeit wieder Momente zu erleben, die einfach nur für den Moment existieren. Und die nur in der Erinnerung bleiben.
Ganz ohne Foto. (Also nein, Software am Computer aufmachen und Bilde bearbeiten gilt in diesem Fall nicht ;))
Wenn du Lust auf wöchentliche Fotografie Tipps von mir hast, schau dir mal meinen „Shootcamp Weekly“ an.
Dort gehts fallweise noch unerwarteter zu als hier in diesem Artikel. Um es mal vorsichtig zu formulieren 😉
Hier findest du alle Infos dazu: http://shootcamp.at/weekly


