Portraitfotografie: Alles, was du für den Einstieg brauchst

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Portraitfotografie ist mitunter eines der beliebtesten Genres in der Fotografie. Das kann ich sehr gut verstehen, nicht umsonst ist Portraitfotografie mein Kerngebiet, selbst in der Werbefotografie arbeite ich großteils mit Menschen.

Menschen sind das spannendste Motiv, das ich mir vorstellen kann. Jeder hat seine eigene Geschichte und mit gelungener Portraitfotografie gelingt es, Auszüge aus diesen Geschichten in einem ausdrucksstarken Portrait festzuhalten.

Man lernt in der Portraitfotografie ständig neue Menschen kennen und keiner ist gleich wie der Andere.

Ein Portrait macht auch das Motiv glücklich. (Vorausgesetzt natürlich das Porträt ist keine Katastrophe ;)) Welche Landschaft, welche Architektur oder welches Produkt freut sich schon über gelungene Fotos von sich selbst?

Portraitfotografie kann fesseln wie kaum eine andere Art der Fotografie. Bist du schon mal an Fotos von ausdrucksstarken Charakteren hängengeblieben und konntest nicht aufhören hinzusehen? Geht mir ständig so.

Nachdem mein Artikel zu den 230 Portraits in 2 Tagen viele Fragen aufgeworfen hat, (abgesehen vom Setup, das im Artikel dazu erklärt ist) soll dieser Artikel dir ein paar Tipps und Antworten mitgeben, wie du selbst mit der Portraitfotografie starten kannst.

Inhalte:

1. Ausrüstung für Portraitfotografie

2. Einstellungen und Technik

3. Perspektive in der Portraitfotografie

4. Psychologie und Arbeit mit Menschen vor der Kamera

5. Zu guter Letzt

 

Portraitfotografie-Christian-Anderl

Wie startest du mit der Portraitfotografie?

Eben weil Menschen beteiligt sind, wagen sich viele zu Beginn nicht einfach an die Portraitfotografie heran. Ein gesunder Respekt ist auch durchaus angebracht, aber von Angst sollte keine Rede sein. Mit dem richtigen Wissen, Equipment und den richtigen Menschen wird der Einstieg in die Portraitfotografie Spaß machen und eine echte Bereicherung sein.

Es hilt natürlich ungemein, wenn die Grundlagen der Fotografie für dich geklärt sind, du also schon fotografieren kannst und nicht mehr nach dem “Prinzip Hoffnung” arbeitest. Wie du gleich sehen wirst, hast du bei einem Portrait keine Zeit und keinen Kopf, dich um die Technik zu kümmern. Du musst dich mit dem Menschen vor der Kamera befassen.

Es wäre vermessen zu behaupten, man könnte in einem einzigen Blogartikel oder Tutorial die Portraitfotografie erklären und dich morgen zu einem hervorragenden Portraitfotografen machen. Auf diesem Gebiet kann man ein Leben lang lernen, sowohl was Technik, Licht und Bildgestaltung oder Bearbeitung betrifft, aber auch und vor allem in der Psychologie. Aber ich kann dir hier einige Tipps mit auf den Weg geben, die dir den Einstieg erleichtern. Viele dieser Tipps haben meine Portrait Workshopteilnehmer rasch ihrem Ziel näher gebracht.

Portraitfotografie ist für mich zu 90% Psychologie. (Das bedeutet nicht, dass man nur 10% fotografieren können muss. Nur damit wir uns da nicht falsch verstehen 😉 Nur, egal wie gut du fotografierst, du musst ein vielfaches besser auf der psychologischen Seite sein)

Mit diesen Tipps wird dir der Einstieg in die Portraitfotografie jedenfalls leichter fallen und du wirst eine gute Grundlage haben, um mal für dich herauszufinden, ob dieses Genre das Richtige für dich ist.

1. Ausrüstung

Womit wir auch gleich bei der ersten “Religionsfrage” wären – welche Ausrüstung brauchst du für Portraitfotografie. Du wirst so viele Antworten darauf finden, wie du Menschen dazu befragst. Manche werden dir erklären du brauchst unbedingt eine Festbrennweite mit über 70mm, außerdem mindestens 3 Blitze, Lichtformer, Reflektoren, Assistenten, Visagisten und am besten ein Studio.

Schon klar. Das Alles kann man für Portraitfotografie verwenden. Und noch einiges mehr.

Aber brauchst du das wirklich für ein gutes Portrait?

Mitnichten!

Tatsächlich kannst du mit genau dem, was du gerade zur Verfügung hast sofort loslegen.

Objektiv

Etwas schwierig wird die Sache natürlich, wenn du nur ein Fisheye Objektiv oder ein Superweitwinkel hast. Aber ich gehe davon aus, dass du zumindest ein Standard- bzw. Kitobjektiv bei deiner Kamera hast. Und das reicht auch schon mal fürs Erste.

Wenn du etwas Budget hast oder schon eine Objektivpalette dein Eigen nennst, ist natürlich ein lichtstarkes Objektiv von Vorteil. Je offener die Blende, desto weicher der Hintergrund, desto besser hebt sich das Motiv vom Hintergrund ab.

Auch die Sache mit der längeren Brennweite hat seine Berechtigung. Wenn du Gesichter möglichst ohne Verzerrung fotografieren willst, solltest du tatsächlich Brennweiten über 70mm verwenden. Eines meiner Lieblingsobjektive für Portraitfotografie ist z.b. das 85mm/1.2 von Canon.

Aber auch kurze Brennweiten mag ich bei Portraits sehr. Also wie jetzt, kurze oder lange Brennweite, gibts darauf denn keine einfache Antwort?

Um das etwas abzukürzen hier ein kleines Demo, wie ein und das selbe Portrait mit verschiedenen Objektiven aussieht. Mit Fotos von 16mm bis 200mm Brennweite:

via GIPY

Das bedeutet jetzt nicht, dass du 35mm oder 24mm nicht für ein Portrait verwenden kannst. Du musst das nur mit viel Bedacht und ganz gezielt machen. Wenn der Effekt der dabei im Foto entsteht das ist, was du willst und du das ganz gezielt einsetzt, dann kann das hervorragend sein.

Platon z.b. Hat eine komplette Portraitserie von den mächtigsten Menschen der Welt fotografiert und jedes Portrait sehr weitwinkelig gemacht. Das war absolute Absicht, denn je weitwinkeliger das Portrait, desto näher kommt man dem Gesicht und das fühlt man auch im Bild. Die Verzerrung hat er nicht nur in Kauf genommen, sondern als Stilmittel benutzt.

Wie immer bei den „Regeln“ – sie sind zum brechen da. Man muss sie aber kennen, um sie gezielt brechen zu können. Eine unabsichtlich gebrochene Regel wirkt stümperhaft, eine gezielt gebrochene Regel kann hingegen ein Stilmittel sein.

Und über “Richtig” oder “Falsch” kann man in der Fotografie selten ernsthaft diskutieren, wenn eine Regel gezielt gebrochen wurde.

Beards and Tats

Natürlich, aber etwas spannender. Blitzlicht mit Umgebungslicht kombinieren ist eine fantastische Art deine Portraits interessanter zu machen.

Blitz bzw. Licht

Das nächste heiße Thema in der Portraitfotografie – brauchst du unbedingt einen Blitz bzw. ein eigenes Licht? Jein. Auch das ist hauptsächlich eine Stilfrage.

Viele Fotografen verzichten ganz gezielt auf zusätzliche Lichtquellen.

Aber wenn wir ganz ehrlich sind, ein großer Teil davon verzichtet, weil sie den Umgang mit dem Blitz immer aus dem Weg gegangen sind. Wenn man zu denen “Blitz” sagt, sagen die wie aus der Pistole geschossen “Na sicher nicht, ich mags natürlich”. Und das halte ich prinzipiell für einen riesen Fehler! 

Ich habe auch mal so gedacht und mich dann ganz ehrlich gefragt, warum ich das so sehe.

Natürliches Licht, künstliches Licht? Das eine widerspricht dem anderen nämlich ganz und gar nicht. Vorausgesetzt man kann wirklich mit dem Blitz umgehen.

Man kann ohne Blitz absolut zurecht kommen, keine Frage. Du musst ihn nicht verwenden.

Aber ich garantiere dir, wenn du ihn doch beherrscht und nur einen kleinen Aufsteckblitz mit einem kleinen Lichtformer wie z.b. Dem RoundFlash Beautydish in deiner Tasche hast, dann wirst du deine Möglichkeiten unendlich erweitern und hast generell mehr Spaß am fotografieren.

Damit bist du nicht mehr ausschließlich von vorhandenem Licht abhängig.

Du kannst dein eigenes, natürlich wirkendes Licht überall selbst bauen.

Also „brauchst“ du einen Blitz? Nein!

Würde ich dir dazu raten? Absolut!

Wenn du blitzen in wenigen Tagen wirklich drauf haben willst, schau dir mal meinen Kurs „Das große Blitzen 1×1“ im Shootcamp an. Du wirst dich wundern, wie schnell das geht:

Alternative bzw. Ergänzung: Faltreflektor

Was ich dir auf jeden Fall, auch wenn du dich (völlig unvernünftiger Weise ;)) gegen den Blitz entscheidest dringend empfehlen würde, ist ein Faltreflektor.

Kostet nicht viel, kann aber viel Effekt haben.

Wenn du zum Beispiel einfach nur Schatten ausgleichen möchtest oder die Wirkung des Gesichts deutlich verbessern willst, ein Faltreflektor ist klein, leicht und kann dir wirklich gute Dienste leisten. Die Frage ob Gold, Silber oder weiß ist für den Einstieg erst mal reine Geschmacksache.

Gold macht logischer Weise wärmeres Licht, Silber reflektiert zu 100% das vorhandene Licht ohne Tönung genauso wie weiß, nur ist das Licht vom weißen Reflektor sehr weich, während Silber sehr hart ist.

Wenn Reflektoren für dich völlig neu sind, würd ich dir raten mit einem weißen Reflektor zu starten. Der ist am „neutralsten“.

 

Die wichtigste Licht-Regel

Mit dem Thema Licht kann man sich wirklich viel und lang beschäftigen, wir haben dazu auch sehr viele Lektionen im Shootcamp. Daraus kann man eine echte Wissenschaft machen. Das wird einem spätestens klar, wenn man das reziproke Quadratgesetz lernt und staunt, wie man so eine mathematische Regel auf Portaitfotografie anwenden kann.

Aber für den Einstieg reicht erst mal eine wirklich wichtige Sache: Meide die Mittagssonne wie der Teufel das berühmte Weihwasser!

Mittagssonne ist knallhartes Licht das noch dazu von weit oben kommt. Egal wie schön dein Motiv ist, es wird ihm absolut nicht gut tun auf dem Foto. Wenn du noch nicht viel Erfahrung hast und dich mit dem Thema Licht noch nicht intensiv befasst hast, wirst du daran leicht verzweifeln.

Geh am besten in der Früh oder am späten Nachmittag raus, wenn die Sonne noch oder schon wieder tief steht. Das ist wesentlich weicheres Licht und es kommt nicht von weit oben. Und dann versuch nicht immer die Sonne im Rücken zu haben, sondern probier verschiedene Winkel bzw Perspektiven aus. Lass die Sonne auch ruhig mal hinter dem Motiv stehen. Wenn du dann die Spotmessung verwendest und etwas Geduld hast (das kann leicht mal schief gehen) wirst du mit der Zeit wunderschöne Gegenlichtportraits machen.

Portraitfotografie-Gegenlicht

 

2. Einstellungen und das Technikzeugs

Als Shootcamper weißt du, wie ich das sehe – Effekt vor Aufwand. Ganz besonders in der Portraitfotografie. Die Kamera soll ein Werkzeug sein, um dein Ziel zu erreichen. Nicht das Hauptmotiv. Die Hauptrolle spielen hier 2 Menschen – dein Motiv und du.

Deshalb konzentriere dich auf die wesentlichen Dinge auf der technischen Seite:

– Eine offene Blende hilft dir bei der Unschärfe im Hintergrund und separiert somit das Motiv vom Hintergrund. Das lenkt die Aufmerksamkeit aufs Motiv = gut fürs Auge.

Das Auge, das der Kamera am nächsten ist sollte scharf  sein – gerade mit offener Blende kann es sein, dass bei einem leicht schrägen Gesicht nicht beide Augen 100% im Fokus sind. Solange das Auge, das der Kamera am nächsten steht scharf ist, fühlt sich alles richtig an.

Belichtungsmessmethode „Spot“. Ich bin meistens ein Freund der mittenbetonten Messung und korrigiere nach Bedarf mit der Belichtungskorrektur. Bei Portraits in natürlichem Licht mache ich die Ausnahme und verwende die Spotmessung. So verhinderst du, dass der Hintergrund zu viel Einfluss auf die Belichtung nimmt. Immerhin gibt es ein klares Hauptmotiv – das Gesicht – und das soll auch richtig belichtet sein.

 

3. Die Perspektive in der Portraitfotografie

Perspektive spielt in der Fotografie immer eine entscheidende Rolle. In der Portraitfotografie ebenso. Mit einer nur minimalen Veränderung der Perspektive kannst du den Ausdruck eines Portraits enorm beeinflussen.

Alleine schon ob das Objektiv über Augenhöhe des Motivs ist, oder darunter wird dem Portrait eine völlig andere Ausstrahlung geben. Ein richtig oder falsch will ich dir hier nicht aufdrängen, wichtig ist, dass du damit experimentierst und die Unterschiede erkennst.

Objektiv über Augenhöhe führt leicht dazu, dass die Person im Bild etwas “unterlegen” wirkt. Nicht zwingend, aber die Gefahr besteht. Bleibst du mit dem Objektiv unter Augenhöhe, wirkt das Motiv „erhabener“, etwas „mächtiger“. Klingt logisch? Ist es auch 😉 Weshalb Mode zum Beispiel großteils von Fotografen auf Knien oder sogar auf dem Bauch liegend fotografiert wird. Nur ein kleiner Tipp am Rande 😉

Ich will hier gar nicht zu ausführlich werden, Perspektive ist nur ein Punkt den du unbedingt im Hinterkopf behalten solltest, bevor du die ersten Portraits machst. Überleg dir einfach zuerst, wie du das Bild anlegst. Objektiv über oder unter den Augen, was willst du mit den Portraits ausdrücken? Bzw wenn der Ausdruck vielleicht nicht ganz so ankommt wie du dir das vorgestellt hast, ist die Perspektive ein weiterer Punkt den du hinterfragen kannst.

 

4. Psychologie – Arbeit mit Menschen vor der Kamera

Wir sind endlich bei meinem absoluten Lieblingsthema in der Portraitfotografie. Ich schleppe die Workshops und Vorträge zu diesem Thema mittlerweile durch ganz Europa, war damit am nördlichsten Ort den ich je gesehen habe – Skellefteja in Schweden (ein Artikel für sich, die heftigste 30 Stunden Reise die ich je erlebt habe (nur ein Weg) bei der Photokina in Köln, in der Schweiz und sogar bei der Photography Show in Birmingham mit Kollegen wie Lara Jade.

Psychologie ist der Teil der Portraitfotografie, der mich am meisten fasziniert und mir auch den meisten Spaß macht. Und ich finde, das sollte jedem so gehen, der sich näher auf das Thema einlassen möchte.

Wie man mit Menschen vor der Kamera umgeht ist der entschiedenste aller Faktoren in der Portraitfotografie. Natürlich ist der Idealfall, dass Ausrüstung, Licht, Farben usw zusammenspielen. Aber sie alle sind völlig wertlos und das Bild hat keinen Ausdruck, wenn man mit Menschen nicht umgehen kann.

Wie krieg ich das also jetzt in einen Blogartikel? Alles auf einmal? Gar nicht. Ich hätte nicht Monate meines Lebens damit verbracht Workshops und Onlinekurse zu diesem Thema zu verfassen und zu unterrichten, wäre das möglich.

Aber ich kann dir für den Einstieg mal ein paar Tipps mitgeben, die sofort helfen sollten:

– Zuerst musst du an dir selbst arbeiten, bevor du mit jemandem arbeiten kannst.

Erst mal stellen wir kurz klar – Portraitfotografie hat nichts zu tun mit der Arbeit mit Models. Ein Model vor der Kamera weiß, wie es wirkt, wie es wirken will oder soll und du kannst als Fotograf – wenn du ebenfalls weißt, was du tust – klar und einfach mit einem Model kommunizieren. Du sagst “ein wenig strenger” und dein Model wird reagieren. Im Idealfall ergibt sich eine flüssige Zusammenarbeit und alles läuft einfach.

Wenn du ein Portrait machst, hast du kein Model, sondern einfach nur einen Menschen der möglicherweise keinerlei Erfahrung mit der Kamera hat. (Zugegeben, das haben viele, die sich heutzutage in Modelkarteien einschreiben auch nicht …) Du hast hier also absolut die Führung zu übernehmen und kannst dich nicht drauf verlassen, dass dein Motiv weiß, was es zu tun hat.

Viele Portraitfotografen beschäftigen sich damit, wie sie mit Menschen umgehen sollen, damit sie aus ihnen einen authentischen, ehrlichen Ausdruck holen können, vergessen dabei aber, dass die Grundlage für ein authentisches Gegenüber zuerst mal ist, dass man selbst tiefenentspannt und authentisch wirkt. Wenn dein Motiv spürt, dass du selbst nicht 100% authentisch bist, wirst du niemals einen ehrlichen Moment einfangen können.

Je mehr du an dir selbst und deinem authentischen Auftreten arbeitest, je mehr du dich ehrlich für Menschen vor deiner Kamera interessierst, desto besser werden deine Portraits.

– Übe die Technik nicht mit echten Menschen (außer mit guten Freunden oder Familie, die darf man quälen)

Klar, Portraitfotografie übt man am besten mit Menschen. Aber davor steht das Beherrschen der Technik. Kameraeinstellungen und – wenn du mit Licht arbeitest – Lichteinstellungen sollten dir leicht von der Hand gehen, wenn du mit echten Menschen übst.

Deshalb üben wir in meinem Onlinekurs „Das große Blitzen 1×1“ auch zuerst mal mit statischen Motiven. Also Puppen oder was auch immer sich findet für diesen Zweck.

Sankil Jones

Meine Teilnehmer bestätigen durch die Bank – wenn sie die Technik zuerst mal mit statischen Motiven geübt haben, bis es ihnen leicht fällt, dann läuft die Portraitfotografie mit echten Menschen schon mal erheblich entspannter und lockerer.

Wer steht schon gern einem schweißgebadetem gestressten Fotografen gegenüber und „schaut dann bitte recht entspannt“ … Niemand.

– Interessiere dich ehrlich für den Menschen

Interessierst du dich ehrlich und aufrichtig für den Menschen, den du fotografierst, ist die halbe Miete schon erledigt, denn dann stellst du eine ehrliche Verbindung her.

Du wirst feststellen, dass jeder Mensch etwas hat, für das er brennt, das ihn wirklich in seinen Bann zieht, wo seine Leidenschaft daheim ist. Wenn du dieses Thema findest und mit ein paar Fragen klarstellst, dass du ehrliches Interesse hast, dann wird dein Gegenüber anfangen von seiner Leidenschaft zu erzählen.

Und wie sehen Menschen aus, die von ihrer größten Leidenschaft erzählen? Richtig. So, wie man sie am liebsten fotografiert.

Je besser du darin wirst, desto besser werden deine Portraitfotos werden.

– Achte auf die Momente dazwischen

Wenn sich dein Motiv schwer tut entspannt und authentisch vor der Kamera zu sein, dann zwing es nicht dazu. Achte mehr auf die Momente in denen die Kamera nicht vor deinem Gesicht ist.

Führe ein entspanntes Gespräch und versuch schnell genug zu sein, wenn grad ein guter Ausdruck auftaucht. Womit wir wieder bei Punkt 2 wären – vorher üben, dann bist du schneller wenns drauf ankommt.

– Du bist kein Entertainer

Bitte erzähl keine schlechten Witze um die Stimmung aufzuheitern. Mehr hab ich dazu eigentlich nicht zu sagen.

Wenn du lustig bist und das weißt, ist das ok. Aber du mußt nicht zwanghaft lustig sein. Wichtiger ist, dass du als Portrait Fotograf ein interessanter Gesprächspartner bist!

(Mein Assistent Moritz ist die Ausnahme. Der droht unseren Kunden jedes mal an wenn sie nicht freiwillig lachen, erzählt er alle Chuck Norris Witze, die er kennt. Und das sind viele. Und die sind lustig. Aber auch das passiert nur sehr sehr sehr selten. Also bleiben wir einfach bei – keine Witze. Danke)

Portraitfotografie-Momente

Manchmal ist es – wie bei diesen Fotos – besser nicht einen Ausdruck zu fordern oder zu “posen”, sondern im Gespräch die Reaktionen einzufangen. Die sind natürlich, ehrlich, authentisch und auch wenn es nicht das ist, was die Person vielleicht erwartet hat, erfahrungsgemäß sind es die Bilder, die ihnen im Endeffekt am besten gefallen. Eben weil sie so ehrlich sind und sie so zeigen, wie sie wirklich sind.

 

5. Zu guter Letzt

Wenn du dich schon der Portraitfotografie widmest, dann solltest du deine Fotos auch drucken. Du machst damit jemandem eine riesige Freude und deine Fotos werden in jedem Fall viel „wertiger“, als wenn sie nur als digitale Datei irgendwo gespeichert werden.

Ich kann garnicht oft genug dafür plädieren, Fotos zu drucken. Gedruckte Fotos sind “begreifbar”, sie sind “angreifbar”, sie sind wesentlich wertiger als ein Bildschirm auf dem ein paar Pixel dargestellt werden. Erst wenn du es versucht hast und die Reaktionen der Menschen darauf siehst (vor allem im Vergleich zu Portraits auf Bildschirm) wirst du genau verstehen, was ich meine.

Investiere in gedruckte Fotos. Egal ob du ein hochwertiges Buch machen läßt oder dir selbst einen Drucker zulegst (ich kann den Canon Pro-1000 Din A2 und Hahnemühle Papier sehr empfehlen)

 

Ganz schön viel, das es zu beachten gibt? Wir sind noch lange nicht fertig, wir könnten hier noch sehr sehr lang weitermachen.

Damit wirst du noch kein Profi, aber für den Anfang sollte das mehr als genug sein um mit der Portraitfotografie zu starten und zu üben.

Wenn du das Thema vertiefen möchtest, ich arbeite dazu grad an einem Onlinekurs im Shootcamp. Hier findest du alle Infos dazu: http://shootcamp.at

 

Was sind deine größten Herausforderungen und Erfahrungen in der Portraitfotografie? Teile sie in den Kommentaren damit dieser Artikel und alle die mitlesen weiter daran wachsen können 😉

Christian Anderl - Portraitfotografie: Alles, was du für den Einstieg brauchst
  • Thomas Haas sagt:

    Am Anfang steht da zuviel Respekt vor der Technik, die man nicht hat, und zu wenig Vertrauen in die Fähigkeiten, die man hat.
    Der Artikel ist sehr ehrlich geschreiben, und der wichtigste Punkt ist die Kommunikation und das wirkliche Interesse am Gegenüber.
    Der Mensch ist nie ein Objekt…

  • >
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