Fotos drucken: Gib deinen Bildern wieder einen Wert!

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Fehlt dir nicht auch manchmal das Gefühl, etwas zu “machen”? Also nicht der Vorgang an sich, sondern der Output. Fotos drucken? Fehlanzeigen. Das was bei unserer Arbeit viel zu oft übrigbleibt sind Festplatten oder andere Speichermedien, auf denen die Arbeit die wir im Schweiße unseres Angesichts fabriziert haben. 

Der Satz fühlt sich nicht fertig an, oder? Und genau darum gehts mir heute. Wir machen unsere Arbeit nicht fertig. Wir dürfen uns nicht wundern, wenn wir das Gefühl haben “Fotografie verliert an Wert“, wenn wir ihren Wert nicht selbst hochhalten.

Und ein Weg zu mehr Wertigkeit ist ganz einfach unsere Arbeit zu Ende zu führen und Fotos drucken. Ein Foto ist erst ein Foto, wenn es auf Papier ist. Dass man heute nicht mehr jedes einzelne Foto das man macht drucken muss (oder kann, bei der Fülle), bedeutet nicht, dass man nicht wesentlich mehr drucken sollte.

Die schnellste, einfachste Variante Fotos zu drucken ist natürlich sie drucken zu lassen. Online bestellen geht inzwischen rasch und unkompliziert bei sehr vielen Anbietern die unterschiedlichste Qualität zu unterschiedlichsten Preisen Bieten.

Das praktische dabei ist, dass man dort auf einen Schlag Prints, Poster, Fotokalender, Fotobuch und das meiste davon in jedem Format das man sich vorstellen kann online bestellen kann. Aber wenn du lieber selber Hand anlegst (was den Spaß an der Sache vervielfacht!) wirst du einen Drucker brauchen.

Wie im Video oben schon kurz erwähnt, es muss – genau wie bei der Kamera – auch beim Drucker nicht immer gleich das tollste und teuerste Gerät auf dem Markt sein, damit du überhaupt anfangen kannst. Einer meiner ersten Drucker war ein Canon IP 4000. Ein günstiger aber sehr guter Fotodrucker der zwar nur A4 kann, aber dafür sehr schöne Ergebnisse bringt.

Wichtig ist wie gesagt, dass die Bilder auf deinem Bildschirm und auf dem Drucker so ähnlich wie möglich aussehen. Je nachdem wie ernst du das nimmst, stehen dir dafür verschiedene Hilfsmittel zur Verfügung um einen möglichst “farbechten” Workflow hinzubekommen.

Dieses Thema ist schon verkompliziert genug und du findest jedes nerdige Detail irgendwo zusammengetragen. Aber wie du vielleicht inzwischen weißt, bin ich wie  manchmal ein Freund der einfacheren Wege. Ein wenig Zeit und Geduld wirst du schon brauchen, um deinen eigenen Drucker zufriedenstellend einzurichten, aber ist das mal erledigt, wirst du auch viel Freude daran haben und sobald alles fertig ist massenhaft mit Freude Fotos drucken.

 

Fotos drucken: Welchen Drucker soll ich kaufen?

Ich seh das hier sehr ähnlich wie die Frage “welche Kamera soll ich kaufen”, zu der ich hier ein eigenes Video gemacht habe.
Fotodrucker auf dem Markt sind großartig. Insbesondere A4 Drucker gibt es im Überfluss und sie alle haben eines gemeinsam – sie drucken Fotos schön auf A4 🙂 Nicht allzu viel drüber nachdenken, eine handvoll Testberichte lesen, kaufen, selbstgemachte Prints genießen, fertig.

Die Marktführer auf diesem Gebiet sind Canon und Epson. Nachdem ich mit Canon fotografiere, bleib ich dem auch im Druck treu und verwende auch deren Drucker. Da ich mit Epson Drucker keine eigene Erfahrung hab, werd ich die hier auch auslassen.

Fotodrucker für Einsteiger

Für den Einstieg kann ich reinen Gewissens den Nachfolger meines IP4000 empfehlen, steht auch wieder in meinem Homeoffice: Canon Pixma iP7250
Eine Sache zwickt mich ein wenig, wenn man ihn einschaltet kann es einige Minuten dauern, bis er mit seinem Aufwachritual fertig ist und zu drucken beginnt. Aber ich denk das ist inzwischen Standard bei Fotodruckern. Und es bereitet einen auf die Aufwärmphasen großer Drucker vor.

Wenn wir den Pro-1000 im Studio einschalten gehen wir Kaffee kochen. Wir könnten auch Kaffee ernten in der Zwischenzeit.

Wenn du etwas größer drucken möchtest als A4, dann wäre eventuell der Canon PIXMA PRO-100S  oder der Canon PIXMA PRO-10S  etwas für dich. Mit beiden bist du im A3 Segment, beide liefern hervorragende Ergebnisse. Canon sagt über den Pro-10, er liefert noch realistischere Farben, der Pro100S ist dafür etwas schneller.

Für etwas größere Prints

Im Studio haben wir zur Zeit den Canon imagePROGRAF PRO-1000  und wir lieben ihn alle heiss. Drucken bis DIN A2 randlos und das in einer Qualität, die uns jedes mal wieder umwirft. Mit knapp über 1.000,- Euro muss man auch ehrlich sagen, hier sind Preis/Leistung fantastisch. Von den 12 Tintentanks sind allein 3 nur für ein detaillierteres Schwarz/Weiss drucken eingebaut.

Ich geb aber zu, wir denken schon einige Zeit darüber nach die neuen Modelle PRO-2000 und PRO-4000 mal genauer unter die Lupe zu nehmen. Da hat dann aber die Bank auch was mitzureden 😉

 

Welchen Bildschirm brauche ich?

Ja, ein kalibrierbarer Bildschirm erleichtert die Sache mit dem Druck natürlich enorm. Je nachdem wie genau man es nehmen will ist er dafür sogar unerlässlich. Es muss aber nicht unbedingt Eizo sein und es müssen keine 4stelligen Beträge sein, die du dafür auf den Tisch legst. Und die Unterschiede können preislich um einiges größer sein, als der Unterschied den du vielleicht erkennen kannst. Wie immer sind auch hier die obersten 5-10% an “Perfektion” die teuersten.

So kostet zum Beispiel ein kalibrierbarer Monitor LG 27MB85R-B 68,58cm 27Zoll ca. 580,- Euro, während ein ähnliches Gerät – NEC SpectraView Reference 271 schon 1.800,- kostet. Wir haben im Studio 2 mal Eizo CG2730 und sind sehr zufrieden damit. Aber das ist absolut unnötig, wenn Fotografie ein Hobby ist. Mit einer Investition um ca. 500,- Euro herum bekommst du auf jeden Fall einen Bildschirm, der zumindest keine komplett falschen Farben anzeigt, der kalibrierbar ist und mit dem du viel Freude haben kannst.

Ich weiß, das ist viel Geld. Auf der anderen Seite – du hast schon viel Geld in Kamera, Objektive usw gesteckt, Bildschirm ist nun mal ein wesentliches Stück Werkzeug, wenn man Bilder machen will die dann auch so aussehen, wie man sich das wünscht.

 

Die Kalibrierung

Bei vielen Herstellern ist die Kalibrierung viel einfacher, als einem das Internet manchmal einreden möchte. Ja, man kann eine Wissenschaft draus machen, man kann es wirklcih kompliziert machen und man kann viele viele Stunden damit verbringen. Muss man aber nicht.

Manche Hersteller liefern (bei den höheren Preisetagen) ein Gerät zur Kalibrierung mit. Wenn das nicht der Fall ist oder du deinen vorhandenen Schirm kalirbrieren möchtest, kannst du dafür zum Beispiel den Datacolor Spyder 5 EXPRESS verwenden. Kostet nochmal knapp 100,- Euro, aber vielleicht kannst du es ja auch mit Freunden teilen oder dir ausleihen.

Der Vorgang selbst wird Schritt für Schritt von der Software beschrieben, man muss dafür nichts studieren, keine Bücher lesen und keinen ganzen Tag frei machen. Gerät auf den Schirm hängen, Software laufen lassen und machen was sie sagt, fertig.

Wichtig wäre vielleicht vorher noch eine Sache zu bedenken – wo steht dein Bildschirm? Hast du ein Fester im Rücken, dann wird das nie wirklich klappen mit der Kalibrierung und dem Farbecht arbeiten. Wenn man es völlig ernst nehmen wollen würde, müßte man in einem abgedunkelten Raum sitzen in dem sich die Lichtstimmung nie verändert. Aber auch das muss man ja nicht übertreiben. Nur achte drauf, dass vielleicht nicht grad die Sonne beim Fenster rein scheint und zu viel Farben und Licht auf den Schirm kommt, während du kalibrierst.

Drucker kalibrieren?

Auch den Drucker kann man kalibrieren. Dafür gibts ebenfalls ein eigenes Werkzeug, den SpyderPrint. Allerdings reden wir dann insgesamt schon wieder von Anwendungen, die auch Sinn für dich machen müssen. Jedes gute Fotogpapier das du im Fachhandel bekommst hat ein eigenes sogenanntes “ICC Profil”. Das ist im Prinzip ein Farbprofil das du beim Druck anwenden kannst und das auf die jeweilige Papieroberfläche abgestimmt ist. Weil glänzendes Papier andere Ergebnisse braucht und andere Tintenmengen als mattes Papier zb.

Ich hab auf die eigene Druckerkalibrierung lange verzichtet und den Pro-1000 dann einmal professionel kalibrieren lassen. Auch das ist eine Option, spart viel Zeit, Nerv und unterm Strich damit auch Geld. Wie gesagt, wenns ein Werkzeug ist und es jemanden gibt der das schneller und besser kann als ich, dann ist das eine kluge Investition 😉

 

Papierauswahl

Wichtig ist beim Druck natürlich auch die Papierauswahl. Das halte ich für ein Gebiet der reinen Geschmacksache. Nicht, dass es nicht qualitative Unterschiede geben würde, aber welches Papier dein Lieblingspapier wird und welches Papier zu dir und deinem Stil am besten passt, wirst du unterwegs selbst rausfinden.

Das ist einer der schönen Teile des ganzen Prozesses. Also beschränk ich mich hier auf mein Lieblingspapier – Hahnemühle Pearl. Ich liebe diese Oberflächenstruktur und wie es aussieht, wenn man es – ohne Glas davor – in einem Passepartout in einen Rahmen steckt. Da kann ich fast so lang davor stehen und reingaffen, wie in einen iPhone Bildschirm 😉

 

Colorchecker Passport

Wenn du die Sache mit der Farbechtheit so richtig ernst nehmen möchtest, fängst du am besten schon beim Shooting selbst damit an.

Mit dem X-Rite ColorChecker Passport  kannst du das erreichen. In der Serie die du fotografierst nimmst du ein Bild mit diesem Colorchecker auf (Model hält ihn in die Kamera z.b.). Mit einer eigenen mitgelieferten Software erstellst du dann am Rechner ein Profil. Die Farben auf dem Colorchecker sind dann Referenzwerte, alle Farben werden danach ausgerichtet und sehen so echt wie möglich aus. Das heißt du mußt auch deinem Bildschirm nicht mehr vertrauen, das was damit dargestellt wird, ist lebensecht. Nicht zwingend schöner, aber eine echte Ausgangslage für die Bildbearbeitung.

 

Zusammenfassend lass mich nochmal zum ursprünglichen Sinn dieses Artikels kommen – ich wollte damit in erster Linie ein motivierendes, inspirierendes Plädoyer für Fotos auf Papier loswerden. Es gibt unzählige Wege da hin, sie können unheimlich kompliziert wirken, aber wenn man sich davon nicht einschüchtern läßt hat man viele schöne Fotos an der Wand und viel Freude damit.

Vielleicht willst du ja zum Start einfach für dich, Familie oder Freunde wieder mal einen Print, ein Fotobuch, einen Fotokalender oder einfach nur Fotosets bestellen, um wieder etwas in der Hand zu haben, deine Fotos in die so viel Zeit und Arbeit geflossen ist wieder mehr wertzuschätzen und somit auch mehr Freude an der Fotografie zu finden. (Fotobuch kann ich auch privat sehr empfehlen, Omas und Opas freuen sich enorm über ein jährliches Fotobuch ihrer Enkelkinder zum Beispiel 😉

Erfahrungen in dem Bereich sind wichtig, Teil doch deine Erfahrungen mit Druckern, Software, Hardware usw in den Kommentaren.

  • Heiko sagt:

    Hallo Herr Anderl,
    nach meinen bisherigen Erfahrungen mit Tintendruckern war bei Fotos langfristig immer eine mangelnde Lichtbeständigkeit zu beobachten. Obwohl die Ausdrucke nie der dirketen Sonne ausgesetzt waren, verblassten sie nach längerer Zeit.
    Online Abzüge zu bestellen, war für mich bisher immer die bessere Alternative. Gibt es da inzwischen Fortschritte am Druckermarkt?
    Gruß Heiko

  • Stephan Guggenberger sagt:

    Super Artikel, denn mE muss mal das eine oder andere in welcher Form auch immer gedruckt werden. Ich den Spyder Pro zur Bildschirm Kalibrierung, bin mit dem ersten Ergebnis zufrieden. Seit Shootcamp habe ich zwei Drucke auf Alu Dipond machen lassen und bin richtig stolz darauf.
    Auch der Shootcamp Kalender 2017 finde ich klasse und vor allem mit einem guten Zweck. Also es gibt viele Möglichkeiten und ich bin auch dabei, mindestens die besten Bilder müssen auf Papier. Gruß Stephan

  • Martin sagt:

    Sehr interessanter Bericht. Offensichtlich kann man wirklich mit einfachen bzw. günstigen Mitteln seine Werke zu Papier bringen.

    Frage dazu: wie stehst du zu der Möglichkeit seine Fotos in Stores wie Hartlauer, Libro bzw. Online Fotostores drucken zu lassen?

    Ich habe derzeit vielleicht 5-6 Fotos die es wert wären auf Papier gebracht zu werden. Da wäre eine derartige Anschaffung doch viel Geld.

    Ab da ich seit kurzem ein Shootcamper bin, werden es vielleicht bald mehr und eine Anschaffung zahlt sich aus.

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