Honorar als Fotograf berechnen

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Frage:
Wie berechne ich mein Honorar als Fotograf richtig. Mir ist ein Rätsel wie die Preise auf dem Markt so unterschiedlich sein können. Und es ist wirklich schwierig aus Fotografen da eine Antwort herauszukriegen.

Leider höre ich das oft, dass Fotografen „nicht damit rausrücken“ wollen. Was ziemlich schwachsinnig ist. Genau deswegen haben wir vermutlich diese Situation, dass neue Fotografen in einen Diskontkrieg einsteigen, den niemand überleben kann.

Dabei wäre der gesamten Branche ja geholfen, wenn die mit Erfahrung denen ohne ein wenig helfen würden.

Dann würden vielleicht auch nicht 80% aller selbstständigen Fotografen in den ersten 5 Jahren pleite gehen. Aber das ist eine andere Baustelle 😉

Generell vergisst man zu Beginn recht leicht mal eine Menge. In der ersten Euphorie denkt man schnell es würde reichen eine gute Kamera zu haben und damit gute Fotos zu machen.

Warum dem nicht so ist, habe ich schon mal in diesem Artikel geschrieben – Erste Todo Liste für angehende Profifotografen

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Noch weit mehr als nur simple Preisgestaltung werden wir demnächst in meinem monatlichen Live-Onlinecoaching „A-Team“ besprechen.
Hier kannst du dich vorab unverbindlich anmelden: http://a-team.live

Preisgestaltung ist eine relativ trockene Angelegenheit die man zu Beginn dringend machen muss und die man auch laufend korrigieren muss. Ich hab das in den ersten Jahren jährlich verändert, weil sich ja auch meine Umstände verändert haben.

Ich habe mehr und/oder teureres Equipment angeschafft, ein Studio gemietet usw. Und diese Veränderungen verändern natürlich auch die Kalkulation.

Eine Beispielkalkulation für Fotografen

Kalkulation für Fotografen geht an sich relativ „einfach“:

Du notierst dir alles, was du aufwenden mußt, um deinen Job überhaupt machen zu können. Wirklich Alles.

Also natürlich Kamera, Objektive, sämtliches Equipment, Computer, Bildschirm, Tablet,… was auch immer du anschaffen mußt um deine Arbeit machen zu können.

Dazu gehören aber auch sämtliche Versicherungen, dein Auto (zumindest anteilig, wenn du es auch privat nutzt) sämtliche Büroutensilien, Marketingausgaben, Website, Drucksorten, Papier, Weiterbildung in die du investierst usw.

Einfach wirklich Alles. Dabei solltest du nichts vergessen. Denn egal was es ist, du darfst das nicht aus deiner eigenen, privaten Tasche zahlen. Alles was nötig ist, damit du deine Arbeit machen kannst, müssen in Zukufnt deine Kunden bezahlen.

Andernfalls hast du kein Business, sondern ein Hobby das du finanzierst um anderen Freude zu machen. Dagegen spricht ja an sich nichts, nur wenn du Firmen die mit deiner Arbeit Geld verdienen aus Spaß an der Sache deine Arbeit schenkst, dann ist das … Vielleicht keine so gute Idee. Um es sanft zu formulieren 😉

Das alles rechnest du dir erst mal für ein Jahr aus. Wenn du also z.b. deine Kamera für maximal 5 Jahre nutzen kannst, rechnest du den Preis erst mal durch 5, also das, was es dich für ein Jahr kostet.

Dabei solltest du auch Neuanschaffungen, Reparatur, Servicekosten usw mit einberechnen. Je mehr du hier mitbedenkst, umso weniger zahlst du am Ende drauf.

Dann rechnest du dir mal grob aus, wie viele Arbeitstage du im Jahr hast. Und dabei bedenkst du bitte, dass du als Selbstständiger auch krank werden kannst und zwischendurch Urlaub hast.

Also auch wenn du in der Realität zu Beginn evtl. 365 Tage im Jahr arbeitest (was ich nicht empfehlen würde) sind das natürlich nicht die Tage die du hier rechnest.

2018 hatte z.b. abzüglich aller Feiertage und Wochenende 247 Arbeitstage. ziehst du für dich noch 25 Urlaubstage ab, bist du bei 222 Tagen an denen du arbeiten kannst. Wenn du nie krank wirst.

Ok, wie viel willst / mußt du verdienen um anständig davon leben zu können?

Rechnen wir das der Einfachheit halber mal mit 2.000,- Netto. (12 mal im Jahr.) Das ist alles andere als viel, aber das entspricht in etwa dem Durchschnittsverdienst, 14 mal wären das 1.700,- monatlich

Dazu brauchst du in etwa 30.000,- Einkommen im Jahr, damit du nach Abzug der Steuern die du dafür bezahlen wirst diese 2.000,- x 12 bekommst.

Was wir aber noch nicht berechnet haben, ist die Sozialversicherung.
Damit du auf deine 30.000,- Einkommen kommst, brauchst du grob gerechnet 42.000,- Einnahmen. Davon zahlst du dann ca. 11.000,- SVA und bist wieder in etwa bei den 30.000,-

Das wars natürlich noch immer nicht. Das, was dich dein Job pro Jahr kostet, muss da natürlich noch oben drauf. Wie anfangs besprochen, das muss dein Kunde zahlen, nicht du.

Nehmen wir mal für unser Rechnenbeispiel an, du kommst auf 20.000,- Ausgaben pro Jahr. (und die sind schneller weg, als du denkst)

Die legen wir jetzt also auf die 42.000,- drauf und sind bei 62.000,- Umsatz, den du pro Jahr brauchst. Und weil du ja als Unternehmer auch Umsatzsteuer abführst, kommen dazu noch 20% Umsatzsteuer, die du nicht aus der eigenen Tasche bezahlen willst. Das sind 12.400,- Euro nochmal oben drauf.

Jetzt sind wir also bei 74.400,- Euro Bruttoumsatz die du im Jahr mindestens brauchst um 1.700,- monatlich netto zu verdienen.

Und dabei habe ich – wie du feststellen wirst, wenn du für dich selbst rechnest – mit den jährlichen Ausgaben nicht grad übertrieben. Ganz im Gegenteil.

Was bedeutet das jetzt für deinen Preis den du als Fotograf verlangen solltest und das Honorar?

Wir hatten gesagt du arbeitest 222 Tage im Jahr, richtig? Wenn du nie krank wirst. Also sagen wir zur Sicherheit es sind 210 Tage im Jahr.

An diesen Tagen wirst du zwar realistisch mehr als 8 Stunden arbeiten, aber ich würde dir davon abraten, das in die Kalkulation einzubeziehen. Das ist der erste Schritt zur Selbstausbeutung.

Also gehen wir von den regulären 8 Stunden aus, die deine Kunden in ihrem Job auch arbeiten. Das sind 1776 Stunden die du arbeiten kannst um deinen Mindestumsatz von 74.400,- Brutto zu erreichen.

Das wären dann ca. 42,- pro Stunde.

Aber halt! Hier passiert der größte Fehler an dem vermutlich so viele scheitern. Diese 42,- sind NICHT der Stundensatz den du deinem Kunden verrechnen mußt.

Diese 42,- mußt du für jede einzelne Stunde die du an oder in deinem neuen Unternehmen arbeitest verdienen. Auch in den Stunden, in denen du dich weiterbildest, in denen du dein Marketing machst, deine Buchhaltung erledigst, Kundentermine und Gespräche führst, dein digitales Chaos das sich ansammelt sortierst usw…

Mit fotografieren selbst verbringst du als Fotograf maximal 10% deiner Arbeitszeit. Der Rest ist „rundherum“ Arbeit.

Hier mußt du dich hinsetzen und realistisch einschätzen, wie viel Zeit du wofür aufwenden wirst. Als ersten Anhaltspunkt würde ich dir raten mindestens von einem Verhältnis von 1:2 auszugehen. Also eine Stunde direkte Arbeit für deinen Kunden – Fotografieren und Bilder bearbeiten – bedeutet insgesamt 3 Stunden mit allem „rundherum“ die er natürlich mitzahlen muss.

Du zahlst ja auch nicht nur das Schnitzel im Restaurant, sondern das Haus, die Mitarbeiter, den Lieferanten, das Geschirr, die Versicherungen usw..

1:2 ist sehr kundenfreundlich geschätzt. Aber gehen wir davon mal aus und rechnen für eine Stunde Kundenarbeit insgesamt 3 Stunden Aufwand.

42,- x 3 = 126,- pro Stunde

Somit bist du also bei einem Stundensatz den du deinem Kunden verrechnet solltest von 126,- Euro.

Das bedeutet für einen gesamten Tag mit 8 Stunden solltest du mindestens 1.000,- Tagessatz veranschlagen, wenn du diesen Beruf überleben willst.

Kommt dir das jetzt zu teuer vor?

Wenn dir das hoch vorkommt, dann nicht, weil das hoch ist, sondern in erster Linie, weil du bisher von viel zu niedrigen Preisen ausgegangen bist.

Wie die meisten, die sich blauäugig in den Beruf Fotograf schmeissen, ohne sich detaillierte Gedanken darüber zu machen, wie viel dieser Beruf sie eigentlich kosten wird.

Schon klar, du denkst jetzt „aber wenn ich grad anfange, kann ich ja nicht …“… Aber lass mich dir mal einen anderen Gedanken mitgeben. Was du nämlich wirklich nicht kannst, ist lange unter einem Preis arbeiten, der für dich, deine Gesundheit und deine finanzielle Sicherheit machbar ist.

Klar, über einen kurzen Zeitraum kann man das schon machen. Aber nicht sehr lange. Denn spätestens wenn du das länger als ein Jahr machst, rächt es sich massiv. Irgendwann wird das Equipment kaputt und du kannst dir kein neues leisten. Du wirst mal krank und kannst ein paar Tage oder Wochen nicht arbeiten (ich hatte das sogar mal ein paar Monate) usw.

Was du wirklich nicht kannst, ist zu günstig arbeiten. Wenn du meinst, du bist noch nicht so weit um davon leben zu können, dann arbeite einfach so lang und hart, bis du so weit bist. Aber lass dich nicht hinreissen, für 40,- pro Stunde als Fotograf zu arbeiten, nur um dann festzustellen, das hat sich nicht nur nie gelohnt, das hat dich mehr oder weniger ruiniert.

Ich wünsche mir eine Branche, die wieder gesund ist. In der Menschen von dem, was sie gern und gut machen auch ordentlich leben können. Klar, Fotografie hat sich gewaltig verändert. Was vor 10 Jahren nur bei einem Profi zu kriegen war, kann jetzt „Onkel Fritz“ mit seiner digitalen Kamera vielleicht auch schon.

Vielleicht. Vielleicht auch nicht.

Professioneller Fotograf sein bedeutet mehr, als ein paar ganz schöne Bilder hinzukriegen. Es ist nötig als Fotograf auch unternehmerisch denken zu können. Du mußt mehr bieten können, als schöne Bilder. Dann hast du auch keinerlei Probleme, deine Preise richtig zu kalkulieren und zu verlangen, was deine Arbeit wert ist.

Genau deshalb starte ich mit meinem monatlichen Livecoaching für Fotografen – http://a-team.live – um in diesem Punkt und noch vielen anderen, die Überlebensnotwendig sind, wenn man sich als Fotograf selbstständig machen möchte gemeinsam zu bearbeiten.

Mir liegt nichts daran, dass 80% der Fotografen nicht überleben. Es wäre idiotisches Konkurrenzdenken sich darüber auch noch zu freuen und zu denken „dann bleibt mehr für mich“.

Ich bin der Überzeugung, dass alle profiitieren, wenn die Branche gesund ist und wieder ein vernünftiges Bewußtsein für Preisgestaltung und Honorare bei Fotografen entsteht.

  • Es gibt doch Honorarempfehlungen der MFM (im BVPA). Die sind von Gerichten anerkannt. Mehr braucht man nicht. Kann man jedes Jahr aktuell beim BVPA anfordern.

    • christiananderl sagt:

      Das ist in etwa so, als würde man sagen „deine Kamera hat ja eine Bedienungsanleitung, wozu fotografieren lernen“. 😉

    • Ich glaube du verwechselst hier etwas, das eine ist eine Stundensatzkalkulation und das andere ist ein Honorar für Veröffentlichungen – das ist was ganz anderes. wieviel man bei veröffentlichung in welchem Medium als Werknutzung verlangen kann hat nichts mit der Stundensatzkalkulation zu tun. Diese hängt viel mehr von der eigenen Kostenstruktur und erwarteten Gewinn ab.

  • Mo Ha sagt:

    Hast so ein Beispiel auch für nebenberufler?
    Die haben ja keine 8hx224 Tage ich hab bisher meinen Preis zwischen 130 und 150 angesetzt aber ich würde gerne mal wirklich nachrechnen auch um meinen Preis für meinen Kunden transparenter zu gestalten….

    • christiananderl sagt:

      Egal ob hauptberuflich oder nebenberuflich, da ändert sich nicht allzu viel. Wenn man es nebenberuflich macht, werden die Einnahmen aus dem Gewerbe mit denen aus der Anstellung zusammengerechnet und Steuern und Versicherung wird somit gesamt berechnet und nachträglich eingefordert. Nebenberuflich heißt, man hat weniger Stunden zur verfügung um es zu machen, der Preis ändert sich dabei aber nicht erheblich, wenn man nicht umsonst arbeiten will.

  • Bernhard Breitenfellner sagt:

    Hallo Christian,

    Ein ganz ganz großes Danke für diesen Artikel und für dein Engagement, dieser Geheimnistuerei, entgegenzuwirken.

    Ich selber muss mich leider auch zu diesen Menschen zählen, die mit ihrer „kalkulation“ bisher völlig daneben lagen. Auch ich versuche seit Wochen vernünftige Infos zu bekommen, mit welchen Preisen andere Fotografen arbeiten und welche Preise gerechtfertig sind.
    Ungefähre Linien kann man ja relativ ausmachen, aber wenn man sich nur die Zahlen abguckt und sie nicht selber kalkuliert hat, steht man sehr schnell dumm da, wenn mal ein Kunde genauer nachfragt.
    Selber betreibe ich die Fotografie (noch) Nebengewerblich und bin noch ganz ganz frisch dabei. Bisher war meiner Preiskalkulation mehr „DaumenmalPi“ als fundierte Berechnung.

    Deshalb ein riesiges Danke an Dich und ich bin Froh das hier gelesen zu haben.
    Anmeldung beim A-Team Projekt, ist natürlich schon raus..!

    • christiananderl sagt:

      Freut mich, dass dieser kleine Beitrag bei dir etwas bewegen konnte!

  • Rico sagt:

    120€ pro Stunde ist gut und schön, und auch vollkommen richtig. Nur leider sehen die meisten Kunden weder die Arbeit noch entsprechende Unkosten. Für viele ist es unverständlich für „ein Klick“ rund 30€ zu bezahlen. Darum ist es verständlich dass um überhaupt Kunden zu haben viele Fotografen ihre Preise so niedrig legen. Dazu kommen eben wirklich die erwähnten Hobbyfotografen die nebenbei noch etwas Geld verdienen und gegenüber „Vollzeit Fotografen“ geradezu Dumpingpreise aufrufen. Von ganztags Begleitung einer Hochzeit für 250€ habe ich da schon gehört. Und nicht jeder davon ist untalentiert.
    Das Studio in dem ich gearbeitet habe ist darum mittlerweile pleite gegangen.

    • christiananderl sagt:

      Leider muss ich ehrlich sagen, wer heutzutage wegen Diskontanbietern draufzahlt und draufgeht hat einfach nicht verstanden, wie sich diese gesamte Branche verändert hat. Wie ich ja auch hier am Ende geschrieben habe – es reicht einfach nicht mehr aus halbwegs brauchbare Bilder zu machen. Wer sich nicht als Unternehmer sehen und als solcher denken und agieren kann, hat keine Chance mehr. Dass es 250,- Hochzeiten gibt, hindert sehr viele erfolgreiche Hochzeitsfotografen nicht daran, 5.000,- oder auch 10.000,- und mehr für eine Hochzeit zu verrechnen und das mit Erfolg.

      Es reicht einfach nicht mehr aus eine Kamera zu haben, gute Bilder zu machen und einen höheren Preis draufzuschreiben.

  • Birgit Smetana sagt:

    Guter Artikel, der hoffentlich dem ein oder anderen die Augen öffnet. 😊

    Frag mich grad, ob ich einen Denkfehler habe oder du?!? Wenn auf jede Stunde direkte Kundenarbeit 3 Stunden „rundherum“ kommen, dann müssten dem Kunden 4 Stunden zum internen Stundendsatz in Rechnung gestellt werden, also 42,- x 4 = 168,-
    Richtig oder falsch?

    • christiananderl sagt:

      Du hast völlig recht, ich wollte in dem Beispiel eigentlich sagen wir nehmen eine Gesamtzeit von 3 Stunden pro Stunde Kundenarbeit. Habs jetzt korrigiert. Danke für den Hinweis.

  • Herbert sagt:

    Wow, danke!

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