Wann ist man “Profi”?

Frage:
Wann kann man sich deiner Meinung nach als professioneller Fotograf bezeichnen?

Die einfache und fachliche Antwort in einer Zeit in der Fotografie (endlich!) auch bei uns ein freies Gewerbe geworden ist wäre – Sobald man Auftragsarbeiten annimmt, dafür Rechnungen schreibt und seinen Lebensunterhalt mit der Fotografie verdient. Soweit die Theorie.

Die Praxis und einige Anbieter auf dem Markt beweisen aber das Gegenteil und zeigen, dass eine Kamera und eine website mit Preisen drauf noch lange keinen Profi ausmachen. Die Antwort auf die Frage “wann ist man Profi” findet man – denke ich – am besten, indem man sich selbst die Frage stellt – Bin ich bereit dafür, professionell zu arbeiten?

Eines der größten Irrtümer das ich in der Fotografie beinahe alltäglich sehe, ist die Vorstellung was es bedeutet Fotograf zu sein. Die meisten Menschen beantworten die Frage mit nur 2 Punkten:

  1. Kamera kaufen
  2. Fotografieren

Und genau das reicht noch bei weitem nicht um professionell zu Fotografieren.

Professionell fotografieren unterscheidet sich in vielen Punkten maßgeblich von Hobby- oder Amateurfotografie. Man muss die Vorstellungen des Kunden visualisieren. Und das oftmals auch mit Kunden, die kaum genau wissen, was sie eigentlich wollen.

Das ist garnicht negativ gemeint, es ist ja auch nicht unbedingt ihre Aufgabe. Genau dafür buchen sie ja dich. Es ist ihr gutes Recht, keine genaue Vorstellung davon zu haben, wie das fertige Produkt aussieht.

Wenn aber der Fotograf auch keine wirkliche Vorstellung davon hat und das was der Kunde erwartet nicht umsetzen kann, dann haben Beide ein Problem.

Und man sollte sich klar machen, dass man als professioneller Fotograf nur noch 10% seiner Arbeitszeit (manche behaupten sogar 5%) mit fotografieren verbringt. Der Rest besteht aus Unmengen Papierkram, digitale Datenverwaltung, lernen, Angebote schreiben, website bauen und betreuen, Kontakte knüpfen, Ausrüstung warten, und tausend anderer Dinge die man schnell mal vergißt.

Ich hab viele Details die zu dieser Frage passen schon mal bei dieser Frage “Wie hast du dein Hobby zum Beruf gemacht” beantwortet, also halt ich mich hier etwas kürzer.

Für den Einstieg in die professionelle Fotografie halte ich heutzutage ein paar Punkte für enorm wichtig:

Gesunde Selbsteinschätzung!

Hast du genug Erfahrung um auf dem Gebiet das du anbieten möchtest auch zuverlässig zu arbeiten. Wenn du dich auf dem Markt umsiehst und deine Bilder mit denen anderer Anbieter vergleichst, traust du dich dann in den Ring zu steigen und denkst du, dass ein Kunde der bei dir kauft auch zufrieden sein wird? Aber vorsichtig, dieser Punkt ist heikel. Auch zu viel Angst kann schaden. Manchmal muss man einfach ins kalte Wasser springen.

Der “Plan”

Hast du einen Plan davon, wie die Preisgestaltung in deinem Geschäft aussieht und kannst du kalkulieren. Siehe etwas weiter oben, die 90% der Zeit die du nicht nur mit Fotografie verbringst, die aber trotzdem in eine Kalkulation gehören, weil du sonst deine Arbeit nicht machen kannst. Nichts tut mehr weh (dir, dem Markt und langfristig auch den Kunden, als jemand der zu billig anbietet und dabei nicht überlebt)

Ich für meinen Teil hatte irgendwann nach einigen Jahren Arbeit (mehr Arbeit als ich mir vorstellen konnte) einen Moment an dem ich zurückgeblickt habe, als plötzlich dieser Gedanke “Du hasts echt getan. Du lebst davon” durch meinen Kopf gegangen ist.

Ich glaub irgendwo in dieser Gegend hab ich angefangen, mich Profi zu nennen.

Aber mal ganz unter uns – Ist es nicht völlig egal wann man sich wie nennt? Was wirklich zählt ist dass man tut was man gerne tut und damit andere Menschen (Kunden) zufriedenstellen kann während man davon seinen Lebensunterhalt bestreiten kann.

Wenn das der Fall ist, ist der Begriff “Profi” ohnehin hinfällig 😉

>
Teilen
Teilen
Twittern
+1
Pin