10 Dinge die Ich in 10 Jahren als selbstständiger Fotograf gelernt habe

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🥳Grad eben hat mich mein LinkedIn Profil daran erinnert, dass ich genau Heute vor 10 Jahren meinen Fotografie Gewerbeschein geholt habe.

Allein an dieser Tatsache sieht man wohl, dass mir auch nach 10 Jahren als Fotograf noch nicht langweilig geworden ist. Oder, dass ich einfach schlecht darin bin, mir Jahrestage zu merken.

Wie auch immer, jedenfalls habe ich mir grad einen kleinen Moment genommen, um meine Reise rückwirkend zu betrachten.

Und dabei bist Du mir eingefallen.

Ja, Du!

Du liest meinen Blog und damit gehörst Du zu den Menschen, denen ich in den letzten Jahren versuche dabei zu helfen, ihren eigenen Weg mit der Fotografie zu gehen. Egal ob fotografieren lernen, oder Fotograf als Beruf. Das Alles hat angefangen, als ich vor ziemlich genau 5 Jahren Shootcamp.at gegründet habe.

Ist das nicht schön, mein 10 jähriges und das 5 jährige Jubiläum von Shootcamp fallen fast aufs selbe Datum. Fällt mir übrigens auch erst jetzt auf 🙂

Egal, also zurück zu dir.

Ich dachte so über diese 10 Jahre nach und darüber, wie sich mein Weg in dieser Zeit verändert und entwickelt hat.

Also nehme ich mein Jubiläum zum Anlass, diese kleine Liste mit Dingen zu schreiben, die ich rückblickend gern vor 10 Jahren gewußt oder gehört hätte, als ich meinen Gewerbeschein geholt habe und damit den Beschluss gefasst habe aus der Fotografie meinen Beruf zu machen.

Vieles davon habe ich unterwegs von Anderen gelernt, vieles habe ich „auf die harte Tour“ gelernt, aber Alles was du hier liest habe ich zum Glück gelernt und ich bin sicher, dass es ausschlaggebend dafür ist, dass ich nach wie vor erfolgreich mit dem bin, was ich tue.

Und weil ich mir das für dich auch wünsche, hier meine Liste die ich meinem Ich vor 10 Jahren heute gerne schicken würde:

1. Nein, ver******** nochmal, Fotografie als Beruf ist NICHT tot!

Bevor wir zu meinen echten „Learnings“ kommen, muß das kurz raus. Entschuldigung für meine *********** Ausdrucksweise hier, aber ich kann und will diesen ************* Schwachsinn nicht mehr hören mit dem das Internet und das echte Leben seit so langer Zeit überschwemmt werden.

Ich habe mit 14 (und das ist inzwischen beachtliche 30 Jahre her!) meine damals grad erst blühende und brennende Leidenschaft für Fotografie entdeckt und wollte unbedingt Fotograf werden. 

Der Hauptgrund, warum ich das gelassen habe, waren Menschen die mir damals folgende motivierende Geschichte erzählt haben: „Fotografie als Beruf? Das geht nicht mehr, das ist tot. Entweder wirst du weltberühmter Fotograf mit Atelier in New York, aber das schafft kaum jemand, oder du gehst dann zum Hartlauer Filme verkaufen“ (Für alle die nicht in Österreich leben – das ist ein Fotofachhandel und Optiker in Österreich)

Dieser Absatz könnte fürchterlich lang werden und schrecklich unfreundlich klingen, vor lauter Zensur auch schwer lesbar. Beides möchte ich dir ersparen, also mach ich es kurz – siehe Überschrift dieses Punkts:

Nein, dieser Beruf ist nicht tot.

Er hat sich nur verändert.

Und wer es schafft diese Veränderung zu sehen und sich mit ihr zu bewegen, hat einen wunderschönen Beruf. Über dessen Eigenheiten ich in den nächsten Punkten gerne weiter referieren werde 😉

 

2.  Unternehmerisch denken wird deine wichtigste Fähigkeit sein

Ich weiß nicht, warum mir das nicht von Tag 1 weg klar war.

Fotografie – genau wie jede Kreativbranche – durchläuft seit geraumer Zeit eine kleine Krise.

Diese Krise ist nicht ganz unlogisch.

Digitalkameras sind nicht nur günstiger geworden, sie sind auch erheblich leistungsstärker geworden.

In jedem Smartphone steckt heute eine Kamera die sensationelle Qualität liefert. Und sie ist immer mit dabei. In der Hosentasche. Einfach so.

Ja, heute ist tatsächlich jede/r irgendwie ein bisschen Fotograf. Und wer Interesse hat mehr daraus zu machen, kann relativ einfach und schnell lernen, wie man bessere Fotos macht. Kann sich mit der Technik beschäftigen und in wenigen Monaten große Fortschritte erzielen.

Allein bei uns im Shootcamp haben inzwischen über 7.500 Menschen fotografieren gelernt. Und sie zeigen in unserem Instagram Account erstaunliche Ergebnisse:

 

Es ist also nicht allzu verwunderlich, dass das den Berufsstand der Fotografen etwas – vorsichtig gesagt – durchgerüttelt hat.

Früher mal war es möglich mit Fotos die aus heutiger Sicht „ganz ok“ waren ein  kleines Geschäft aufzumachen, im Umkreis sämtliche Hochzeiten, Taufen und Events zu fotografieren und davon zu leben.

Das ist heute kaum mehr möglich! Und es wird demnächst komplett unmöglich sein.

Wenn du als Fotograf oder Kreativer selbstständig überleben willst, dann mußt du weit mehr sein, als ein technischer Dienstleister, der sein Werkzeug bedienen kann. Du brauchst eine Vision, eine klar erkennbare Ausrichtung, deine Arbeit muß „herausragend“ sein, also jederzeit wiedererkennbar sein und du mußt deinen Kunden einen „Mehrwert“ bieten.

Überleg dir von Anfang an, was du für deine Kunden tun wirst, welche ihrer Probleme du lösen kannst und wie du ihnen echten Mehrwert in ihr Unternehmen bringst. Positioniere dich als weit mehr, als ein technischer Dienstleister.

 

3. Menschen kaufen zu 50% Deine Arbeit als Fotograf und zu 50% Dich!

Das klingt komisch, ich weiß, also gib mir eine Minute dir meine dazugehörige Erfahrung mitzugeben:

Ich will dir keinesfalls sagen, dass du mit schlechter Arbeit durchkommst. Niemals. Ich finde wir alle sollten einen enorm hohen Anspruch an unsere Arbeit als Fotografen stellen. Ich finde auch Fotografie hat einen künstlerischen Anspruch und wir sollten dem Gerecht werden… Alles keine Frage, dazu kommen wir noch.

Aber in diesem Punkt habe ich wirklich gelernt – wenn du als Fotograf deinen Lebensunterhalt mit deiner Arbeit verdienen willst, dann reicht es nicht aus, schöne, professionelle Fotos zu machen. Deine Arbeit kann noch so hervorragend sein, du kannst die schönsten Fotos der Welt machen, wie erfolgreich du als professioneller Fotograf bist, wird nicht allein dadurch bestimmt.

Das mag dir möglicherweise nicht gefallen.

Mir hat das zu Beginn garnicht gefallen.

Ich dachte tatsächlich „Das ist unfair. Wenn einer bessere Fotos macht als der andere und trotzdem kriegt der den Job, ist das **************

Aber weißt du was, das ist es nicht.

Man muß eigentlich nur mal kurz die Rollen tauschen. Stell dir vor, du hast ein Projekt, ein Budget und suchst dafür Dienstleister.

Du hast zwei zur Auswahl.

Beide liefern für dich gute Arbeit. Der Qualitätsunterschied ist für dich jedenfalls nicht auffällig.

Der eine ist unfreundlich, unzugänglich, abweisend, kühl, selbstverliebt, redet nur von sich und seiner Arbeit,… kurz einfach kein angenehmer Mensch mit dem du gerne Zeit verbringen würdest.

Der andere ist ein freundlicher, offener Mensch, der auf dich zu geht, ein starkes Auftreten hat, dir die Hand schüttelt, interessiert ist und mit dem du dir gut vorstellen kannst auch mal einen Kaffee zu trinken und einfach ein wenig über das letzte Wochenende zu plaudern…

Was denkst du, wen du buchen wirst?

Nochmal – ich habe keineswegs vor dir zu erzählen, dass du der „Freunderlwirtschaft“ (wie wir es in Österreich nennen) verfällst. Du sollst deine bestmögliche Arbeit liefern, besser werden, lernen,… Alles wichtig.

Aber arbeite auch an deinen „Social Skills“, die machen mindestens 50% deines Erfolgs aus.

Aber!

Kenne die Grenzen und lass dir deshalb noch lange nicht alles gefallen. Das bringt uns zum nächsten Punkt:

 

4. Achte auf die Qualität deiner Kunden

Eine Erfahrung die ich vor vielen Jahren gemacht habe und aus der ich glücklicherweise dann auch wirklich gelernt habe: Manche Kunden glauben, sie kaufen sich deine Leibeigenschaft wenn sie dich als Dienstleister buchen. Einen bei dem sie ihren ganzen Müll abladen und ihre ganze Unfreundlichkeit rauslassen können.

Du mußt dir nicht alles gefallen lassen.

Nicht nur deine Arbeit sollte Qualität haben, achte auch auf die Qualität deiner Kunden!

Bei mir waren es genau genommen 2 solcher Erfahrungen. Bei der ersten dachte ich „das mach ich jetzt nicht mehr„, beim zweiten Mal habe ich mich äußerst unbeliebt gemacht als ich klargestellt habe, wo meine Grenzen sind.

Und das war im Nachhinein gesehen vollkommen richtig so.

Ohne die ganzen endlosen dazugehörigen Geschichten hier in voller Länge zu deponieren; Es wird Kunden geben, die immer alles besser wissen.

Solche, die dir erklären werden „aber mit einem Kugelkopf geht das sicher besser, oder?“ während du dich beherrschen mußt nicht laut loszulachen. Da werden Sätze fallen, die es in Anekdotenbücher schaffen könnten.

Nimm das hin, erklär ihnen, warum das nicht geht. Wenn das alles ausufert, such das Gespräch und sag ihnen klipp und klar, dass sie dich und deine Kompetenzen gebucht haben, eben WEIL sie es nicht selbst können, du das aber beruflich machst. Ist es nicht möglich, dass sie dir vertrauen und mit dir gemeinsam an dem Projekt arbeiten, machen sie es dir unmöglich deine bestmögliche Arbeit zu liefern.

 

5. Apropos Preis – Billig anbieten hilft niemandem, aber es schadet Dir

Gerade wenn man anfängt ist die Versuchung groß, möglichst günstig anzubieten. Ich verstehe das.

Man denkt „besser billiger Job als gar keiner„.

Außerdem stellt man ja auch noch in Frage, ob man denn überhaupt schon so viel verlangen kann, wo man doch grad erst anfängt usw.

Im schlimmste Fall hat man sich mit der Kalkulation des eigenen Honorars noch garnicht beschäftigt.

Ich kann dir nach 10 Jahren Selbstständigkeit nur eines dazu sagen – wenn du billig anbietest, hilfst du niemandem, schadest aber dir selbst!

Dein Kunde wird nicht profitieren, auch wenn er das auf den ersten Blick glaubt. Wenn du nämlich billig anbietest, dann hast du Stress.

Vielleicht nicht gleich bei deinem ersten Kunden. Vielleicht auch nicht beim Zweiten oder Dritten.

Aber wenn du mehrmals zu billig anbietest, wirst du es zu spüren bekommen. Dir wird langsam klar werden, dass sich das alles so ja doch nicht ausgehen kann und du wirst ein wenig unter Zeitdruck geraten. Dir wird klar werden, dass du doppelt und dreifach so viele Aufträge brauchst wie du gerade hast, damit du das überlebst.

Dann wirst du Druck und Stress bekommen.

Was denkst du, was das mit der Qualität deiner Arbeit macht?

Ich verrate es dir –  du wirst keinesfalls auf Dauer die bestmögliche Arbeit liefern können, die möglich wäre.

Das ist aber genau das, was du tun solltest. Jeden Tag. Dein Bestmögliches abliefern.

Davon profitiert dein Kunde – immerhin bekommt er die beste Arbeit, die er bei dir für Geld kaufen kann.

Und davon profitierst du – dein Portfolio wird um ein weiteres Stück guter Arbeit ergänzt = ein weiterer Schritt in Richtung Wachstum.

Wenn du deinen Preis zur Verhandlungssache machst und dich an dem Preisdiskont beteiligst (der übrignes in jeder Branche existiert, nicht nur in der Fotografie) wir das deine Lust an der Arbeit auf Dauer ruinieren, du wirst ständig nur über deine „blöden Kunden“ schimpfen, die Qualität deiner Arbeit wird sinken, damit widerum die Qualität deiner Kunden usw… Eine Abwärtspirale aus der man nur schwer wieder raus kommt.

Auch wenn du 1000 Argumente findest, warum du billig anbieten mußt, „weil das ja die anderen auch machen“ – glaub mir, das Gegenteil ist der Fall. Im Preiskrieg zu enden bedeutet früher oder später tatsächlich dein Ende. Du MUSST dich aus diesem Preiskampf raushalten, je früher, desto besser.

Wenn du meinst du mußt das machen, weil du dein Portfolio erst aufbauen mußt, dann hier ein anderer, radikaler Vorschlag:

 

6. Vollpreis oder Gratis

Schon klar, wie kannst du ohne Portfolio und dementsprechenden Referenzen von Anfang an „normale Preise“ verlangen (und nochmal, wir reden nicht von hohen Preisen wenn wir über 1.500,- Tagesgage sprechen. Hier findest du die Rechnung dazu: Honorar berechnen als Fotograf)

Würde ich heute nochmal bei 0 starten, wäre meine Strategie glasklar und radikal:

Entweder Vollpreis, oder Gratis.

Ich würde mein Honorar berechnen wie in dem Link beschrieben. (Unter uns, das ist ca. doppelt so hoch wie das, was ich bei meinem eigenen Start verlangt habe – ich habe das aber auch nur für 6 Monate getan um irgendwie Fuß zu fassen)

Dann würde ich genau dieses Honorar festlegen und nicht mehr verhandeln. (Wenn du dich in Sachen Preisdiskussion noch nicht stabil genug fühlst um eine Verhandlung erst garnicht aufkommen zu lassen, dann rechne einfach 10% Verhandlungsspielraum oben drauf die du später nachlassen kannst)

Bei Kundenanfragen würde ich genau zu diesem Preis anbieten.

Sollte ihnen das zu teuer sein, würde ich für mich selbst entscheiden, ob dieser Kunde für mich und mein Portfolio einen wirklichen Wert hat. Und ich meine damit nicht die, die dir erzählen wollen „wir featuren dich auf unserem Instagram Account, komm schon, das ist doch Bezahlung genug„.

Wenn es für mich von Wert wäre, diesen Job zu machen, dann würde ich ihn gratis anbieten.

ABER!

Gratis bedeutet für mich gleichzeitig, dass ich nicht mehr Weisungsgebunden bin!

Das bedeutet ich bekomme vom „Kunden“ (der dann ja keiner mehr ist, weil er nicht zahlt) sozusagen etwas zur Verfügung gestellt, das ich fotografieren kann wie ich es möchte, an das ich sonst nicht oder nur schwer kommen würde, damit wir beide es für unsere Zwecke nutzen können.

 

7.  Lerne besser zu investieren

Ja schon klar, grad zu Beginn ist Geld meist nicht vorhanden. Ich hab glücklicherweise von Anfang an einen Großteil der Einnahmen sofort wieder investiert. In Ausrüstung, Kameras, Blitze, Stative, Taschen und was man so braucht um als Fotograf seine Arbeit zu tun sowieso. Aber auch in Dinge wie Weiterbildung und Coaching (enorm wichtig!) oder einen Steuerberater (überlebensnotwendig!).

Das Argument „kann ich mir nicht leisten“ kenne ich sehr gut. Von mir und als Antwort von unzähligen Coaching Klienten und Workshopteilnehmern.

Ich kenne es, ich verstehe es, aber es ist nichts desto trotz ein Irrtum.

Du kannst es dir genaugenommen nicht leisten es dir nicht zu leisten.

Ein Investment muss man sich nicht leisten können, denn ein kluges Investment bringt nämlich mehr zurück, als es „kostet“. Rückblickend hätte ich also schon früher noch mehr investieren sollen.

Ich nehme hier meinen Steuerberater gern als mein Lieblingsbeispiel.

Würde ich beschließen ich kann mir das nicht leisten, dann würde ich sehr viel Zeit mit Buchhaltung verbringen.

„Ja, aber das spart doch enorm Geld“.

Nein, das tut es nicht. Es kostet dich genau genommen gleich doppelt Geld:

  1. Du kannst das nicht! Ja, ich weiß das 🙂
    Ich war mal in der Hotelfachschule und hab dort Rechnungswesen „gelernt“. Abgesehen davon, dass mein Lehrer eine Katastrophe war, hab ich eine wichtige Sache gelernt: Kreative sind zu 99% nicht in der Lage mit dieser Materie richtig umzugehen. Man muss das wirklich gern machen und sich wirklich gut damit auskennen, damit man es gut und richtig macht.
    Ob du es gut oder „irgendwie“ machst, macht hier einen erheblichen Unterschied bei den Zahlen die unterm Strich rauskommen.
    In anderen Worten – zahlst du jemanden dafür, der das richtig gut kann, rentiert sich das am Jahresende auf jeden Fall!
    Machst du es selbst, wird es nicht so gut werden und unterm Strich wirst du mehr Steuern zahlen die dem Staat eigentlich garnicht zugestanden wären.
  2. Deine Zeit kostet ebenfalls
    Deswegen kostet es dich doppelt. Wenn du erst mal deinen Stundenlohn oder dein Honorar als Fotograf berechnet hast, dann wird dir auffallen, dass dich jede Stunde die du arbeitest Geld kostet. In der Zeit in der du verzweifelt versuchst die Buchhaltung deines Unternehmens richtig zu machen, obwohl es dafür Profis gibt, die das weit besser können als du, könntest du für einen Kunden das tun, was dir Spaß macht und damit mehr Geld verdienen, als der Steuerberater dich kostet. Oder zumindest genauso viel.

Was waren meine besten Investments?

Mein Steuerberater. War auch mein erstes, gleich nach der Kamera. Wenn ich mir anschaue wie bitter diese Zahlenwelt schon mit Steuerberater ist, will ich mir garnicht vorstellen, wie das ohne wäre. Ohne Übertreibung, ohne wäre ich längst erledigt.

Sämtliche Workshops, Coachings, Bücher und Onlinekurse die ich je gekauft habe. Wissen von denen zu kriegen, die einem schon ein Stück voraus sind, ist unbezahlbar.

Mitarbeiter. Ganz zu Beginn hab ich versucht alles alleine zu machen. Mir wurde schnell klar, dass ich erheblich schneller und effektiver arbeiten kann, wenn mir jemand hilft. Also habe ich wechselnde Assistenten zu einzelnen Jobs mitgenommen.

Einer davon – Moritz – hat so deutlich gezeigt, dass er das wirklich will, also hab ich ihm irgendwann angeboten, nur noch ihn zu buchen.

Moritz ist nach wie vor bei mir und ich nenne ihn inzwischen den „First Officer“. Er übernimmt mehr und mehr meiner wesentlichen Aufgaben im Shootcamp und hält mir den Rücken frei, damit ich mich wieder um das kümmern kann, was ich eigentlich tun wollte – Inhalte produzieren. Also Kurse, Videos und Artikel wie diesen hier 😉

Und das bringt uns auch schon wieder zum nächsten Punkt auf meiner Liste:

 

8. Lerne delegieren und auslagern

Rückblickend habe ich damit zu lang gewartet. Bzw. habe ich zu lange gebraucht um das zu lernen.

Frag dich möglichst oft – Anfangs mindestens ein mal die Woche – sehr ausführlich (nicht kurz mal im Kopf fragen, am besten hinsetzen und aufschreiben, Zeit dafür nehmen!) „Was ist es, das ich wirklich machen will und weswegen ich mich selbstständig gemacht habe?“

Und dann schau dir an, was du tatsächlich den ganzen Tag machst.

Du wirst feststellen, dass du nur einen kleinen Teil deiner Zeit mit dem verbringst, was du eigentlich tun wolltest. In meinem Fall – fotografieren und filmen.

Die restliche – überwiegende – Zeit wirst du mit anderen Dingen verbringen, die du vorher nicht so richtig auf dem Schirm hattest.

Das ist ok so, das gehört dazu, wenn du dich selbstständig machst. Da kommen irre viele Dinge auf dich zu die du überlegen, entscheiden, lernen und machen mußt. Und du mußt das alles zu Beginn selbst machen. Allein schon, weil nur du entscheiden kannst, wie es für dich „richtig“ ist.

Aber!

Sobald du entschieden hast, wie die Dinge laufen sollen, wie dein Auftritt aussehen soll, wie die Ordnung in deinen Rechnungen auszusehen hat und aus all diesen Dingen die du mal starten mußtest laufende „Todos“ werden, ist es dringend nötig, dass du anfängst auszulagern.

Siehe Punkt 1 – du wirst dir selbst sagen „ich kann mir das nicht leisten“.

Die Wahrheit ist aber, sobald dir etwas an deiner Arbeit auffällt, das immer wieder zu tun ist, aber nicht zu deinen Kernkompetenzen gehört, solltest du dir überlegen es auszulagern.

Für jedes dieser Todos gibt es jemanden, der es richtig gern macht und es als seine eigene Kernkompetenz betrachtet.

Also werden wieder beide Seiten gewinnen: Du gibst jemandem einen Auftrag, an dem er richtig Freude hat, du wirst ihn besser erledigt bekommen, als wenn du es selbst machst und du wirst mehr Zeit haben deinen eigenen Job zu machen, was widerum zu mehr Aufträgen/Umsatz führen wird …

 

9. Verkauf und Marketing sind jetzt dein Beruf!

Diese 2 Worte meiden die meisten Kreativen. Viele finden sie sogar abstossend.

Pfui, der macht keine guten Fotos, der kann nur Marketing“.

Die böse Antwort darauf wäre – „Ja und, dann kann er wohl irgendwas besser als du, vielleicht solltest du lieber fragen wie?!“ 😉

Ganz im Ernst, zurück zu Punkt 1 – lerne unternehmerisch zu denken. Lerne mit Verkauf und Marketing (und nein, das ist nicht das selbe) umzugehen und zu arbeiten. Sonst hast du keine Selbstständigkeit, keine Business, bist kein professioneller Fotograf sondern hast ein teures Hobby.

Das ist ja ok, Fotografie als Hobby ist toll.

Nur nicht, wenn man sich dabei einreden will, man würde damit seinen Lebensunterhalt verdienen.

Du mußt die Grundlagen von Marketing lernen um zu verstehen, warum Menschen etwas kaufen.

Dazu gleich ein erster kleiner Tipp – Frauen kaufen keine Schuhe, weil sie so praktisch sind und so tolle Features haben.

Frauen kaufen Schuhe wegen dem Gefühl das sie haben werden, wenn sie sie kaufen und zum ersten mal tragen. (Deshalb stehen dann auch so viele davon im Schrank)

Ohne hier zu viele Klischess zu bemühen – Menschen kaufen selten wegen der „Features“, sondern wegen dem Gefühl das an ihrem Kauf hängt.

Heißt das jetzt, du sollst Scheisse zu Gold machen und Müll überteuert verkaufen?

Auf keinen Fall!

Das rächt sich sowieso nach kürzester Zeit. Damit läßt sich kurz mal Geld verdienen, bis sich rumgesprochen hat, dass du Müll verkaufst.

Aber wenn du das Prinzip verstanden hast, wirst du auch den Unterschied zwischen erfolgreichen Marken und Firmen und erfolglosen erkennen. Du wirst sehen, dass alle, die erfolgreich wurden verstanden haben, wie man Marketing und Verkauf richtig angeht.

Das gilt selbstverständlich auch für Fotografen.

Nehmen als Beispiel wir nur mal Hochzeitsfotografen.

Warum gibt es wohl Hochzeitsfotografen für 500,- und sogar noch weniger, während andere erst bei 5.000,- pro Hochzeit anfangen.

Beide liefern grundsätzlich das Selbe – Hochzeitsfotos.

Beide verbringen dafür einen ganzen Tag bei der Hochzeit, machen Fotos, liefern diese dann dem Brautpaar.

Was macht den Unterschied?

Klar, Qualität. Wenn du hohe Preise verlangst, mußt du auch hohe Qualität liefern. Das steht außer Frage.

Aber du wirst es nicht schaffen einem Brautpaar nur mit „wir machen die schöneren Fotos, wirklich, ganz bestimmt“ diesen Preis zu verkaufen. Sehr sehr unwahrscheinlich.

Du mußt Marketing lernen um die richtigen Kunden zu finden, die für dich überhaupt in Frage kommen. Und wenn sie dann bei dir sind, mußt du verkaufen lernen um den Vertrag auch abzuschließen.

Und krieg da jetzt kein falsches Bild davon – du mußt keinen Bauchladen umschnallen und „verkaufen“. Das ist nur die Vorstellung, die kreative von Verkauf haben. In Wahrheit ist das nur ein klein wenig Psychologie und nichts Böses, sondern etwas, mit dem wir Tag für Tag selbst konfrontiert werden.

Wir entscheiden uns für die Marke, die uns emotional packt, die uns „am richtigen Fuss“ erwischt, und nur selten für die, die die besseren „Features“ auflistet.

Also lerne die Psychologie hinter Marketing und Verkauf (nichts, das sich in einem Absatz eines Blogartikels zusammenfassen läßt, sorry) und vor allem hör auf, von dir selbst auf deine eigenen Kunden zu schließen. Nur weil DU vielleicht keine 5.000,- dafür zahlen würdest, bedeutet das nicht, dass du nicht Kunden finden wirst, die sehr gern 5.000,- dafür zahlen werden.

Du bist nicht dein Kunde.

 

10. Lerne meditieren. Jetzt!

Halt. Bitte bleib.

Auch wenn du jetzt Wickelröcke und Räucherstäbchen erwartest. Keine Sorge, das was ich meine hat nichts damit zu tun!

Ich werde dir nicht sagen, dass du Bäume umarmen sollst und du mußt auch nicht deinen Namen tanzen!

Meditation ist inzwischen (endlich) auch in der Neurowissenschaft angekommen und ein unfassbar starkes und hilfreiches Werkzeug. Ich habe vor 10 Jahren schon erste Erfahrungen damit gesammelt, aber nicht wirklich „meinen Weg“ darin gefunden, also wieder gelassen.

Selbstständigkeit ist ein enorm anstrengender Prozess mit vielen Höhen, Tiefen, Anstrengungen und Stress.

Wenn du ein sehr sehr seeeehr einfaches Mittel hättest, mit dem du mit minimalstem Aufwand das Maximum aus dir rausholen könntest und es würde dich nichts kosten, würdest du es dann machen?

Natürlich. Du bist ja kein Idiot.

Und genau deshalb solltest du dich mit Meditation befassen.

Es ist keine Zauberei, kein Woodoo Shit und dir wird nicht die Heiligkeit dabei versprochen. Es ist nichts weiter als ein simples Training das dir hilft dein Gehirn, dein Immunsystem, dein Energielevel und deine gesamte Gesundheit auf einem stabilen, starken Niveau zu trainieren und zu halten. Genau so, wie du nachweislich deinen Bizeps trainierst, wenn du täglich eine 10 Kilo Hantel aufhebst. Und das wirst du brauchen auf dieser Reise.

Mehr, als Alles andere 😉

 

Abschließend noch eine Frage, die ich nach wie vor sehr oft höre: „Und, würdest du es wieder tun, wenn du wüßtest, was auf dich zukommt“?

Auf jeden Fall!

Es wäre unangenehmer, wenn ich wüßte, wie hart es zwischendurch werden kann, klar.

Aber würde ich darauf verzichten wollen diesen ganzen Weg gegangen zu sein, darauf zurückblicken zu können und hier in meinem Studio für das ich mir den berühmten A****h aufgerissen habe zu sitzen, mit Portraits von super spannenden Menschen an der Wand die ich gemacht habe, eine Buchprojekt in Arbeit, dem besten first Officer der Welt, einem 5 köpfigen Team mit dem die Arbeit Spaß macht, jeden Tag das tun können, was ich schon mit 14 am liebsten gemacht habe?

Natürlich nicht!

Allein schon dieses geniale Gefühl, gemischt aus Aufbruch, Freude und Schiss das ich hatte, als ich diesen Gewerbeschein daheim auf den Tisch gelegt habe, werd ich nie vergessen.

Also solltest du immer noch lesen und überlegen, ob du es tun sollst, oder nicht, ganz klare Antwort:

Tu es! Es wird sich lohnen! 

Ich starte übrigens zu meinem 10 Jährigen Jubiläum noch im Mai mein monatliches Live-Onlinecoaching mit dem „A-Team“ in dem ich dir nicht nur Schritt für Schritt zeige was ich gelernt habe und wie du deine Selbstständigkeit selbst stabiler aufbauen kannst, sondern dir auch Gastvortragende bringen werde, mit denen ich sehr erfolgreich zusammenarbeite.

Hier kannst du dich noch unverbindlich für die Infos zum ersten Start eintragen: http://a-team.live

  • Joe sagt:

    Was für ein geiler Text. Danke dir. Ich sollte wohl bei dir mal in die Lehre gehen.

  • Markus Kahl sagt:

    Alleine bei diesem Beitrag weiß ich, warum ich Dich und Deine Arbeit mit allem was Du sagst, tust und anbietest so schätze. Es gibt viele „Verkäufer“, die ein extrem gutes Marketing machen. Hier merkt man ehrliches Herzblut an der Sache. Würdest Du nicht so weit weg wohnen, würde ich Dich nur für diesen Beitrag zu einem guten Essen und einem Glas Wein einladen. Merci dafür.

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