Mittlerweile ist der Portrait Marathon bei der Photo & Adventure Messe in Wien und Linz zur Tradition geworden. Zum dritten mal hat Canon Austria mich eingeladen an ihrem Stand Portraits zu fotografieren.
Canon stellt dabei A3, A2 und Large Format Drucker zur Verfügung, wir schießen dein Portrait direkt in einen Rechner von dem aus die Bilder sofort ausgedruckt und mitgegeben werden.
Das ist natürlich in vielerlei Hinsicht eine Herausforderung. In diesem Artikel zeige ich dir, wie wir es machen.
Auf der technischen Seite heißt das natürlich, das Portrait Setup so unkompliziert wie möglich zu halten.
Klar, wir könnten so richtig „draufhauen“ und dort ein massives Lichtsetup mit 5 und mehr Blitzköpfen aufbauen, oder einfach viele verschiedene Lichtsetups zeigen. Das hatten wir im ersten Jahr dieses Experiments auch versucht.
Die Wahrheit – wir verbringen damit viel zu viel Zeit beim Umbau, dadurch kommen natürlich auch viel weniger Portraits zustande.
Portraitfotografie sollte auf der technischen Seite möglichst einfach sein, dann bleibt dir mehr Zeit für die Konzentration auf das Wesentliche – Menschen.
Bei der Photokina 2014 in Köln haben wir uns mehr für eine Workshop-Variante entschieden. Dort ist das natürlich ok, es ging ja auch nicht darum, möglichst vielen Menschen ein Portrait von sich selbst mitzugeben, sondern in 15 Minuten ein einfaches Lichtsetup zu erklären, das jederzeit und überall angewendet werden kann.
Und auf der psychologischen Seite der Portraitfotografie ist das eine echte Herausforderung. 230 Menschen die man noch nie gesehen hat in 2 Tagen so fotografieren, dass sie sich selbst auf dem Portrait gefallen ist sicherlich die größte Herausforderung, die ich damit jährlich auf dem Terminkalender stehen habe.
Die Technik / Das Setup für dein Portrait
Wie gesagt, technisch so einfach und effektiv wie Möglich war das Ziel. Da kommt mir mein aktueller Lieblingslichtformer – der Beatuydish – sehr gelegen.
Man kann ihn mit Wabe oder ohne Wabe verwenden, er gibt sehr weiches und doch kontrastreiches/starkes Licht, er ist nicht allzu groß und nimmt nicht viel Platz weg … viele Vorteile für so ein Projekt. Mit Wabe werden die Kontraste stärker, die Lichtkanten etwas härter, während er ohne Wabe überraschend weiches Licht für so eine kleine Lichtquelle gibt. (Wie wir im Shootcamp ja auch lernen – kleine Quelle – hartes Licht, große Lichtquelle – weiches Licht)
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Die Wabe gibt mir auch mehr Möglichkeiten im Hintergrund einen Verlauf zu zeichnen, das macht widerum den Hintergrund manchmal etwas interessanter. Apropos Hintergrund, der Hintergrund war diesmal Mittelgrau. Normalerweise verwende ich einen weissen Hintergrund, weil ich damit von Weiß über alle Grautöne bis Schwarz jeden Hintergrund selbst gestalten kann, indem ich einfach das Licht näher oder weiter weg stelle. Heuer war weiß nicht dabei, also haben wir gleich grau verwendet. Funktioniert auch 😉
Die Kamera – Auch dieses Jahr haben wir die Fotos wieder mit der 5DmkIII und dem 85/1.2 gemacht. Eine traumhafte Kombi. Warum nicht mit der 5Dsr? Weil Megapixel uns hier nicht weitergebracht hätten, ganz im Gegenteil. Alle Fotos sind als RAW & JPG fotografiert, die JPGs wurden direkt in der Kamera in Schwarz/Weiß konvertiert und über Wlan zur Druckerstation geschickt.
Alles andere wäre in dieser Zeit nicht wirklich machbar gewesen, für Bearbeitungen aller Art ist bei sowas keine Zeit. Die Bilder wurden dann auf 4 Canon A3 Druckern ausgedruckt (Pro-1, Pro-10s, Pro-100s). Zwischendurch wurden einzelne Portraits auch auf dem Large Format bis zu A0 gedruckt. Das braucht aber etwas Geduld 😉
Die psychologische Seite
Die wirkliche Herausforderung bei diesem jährlichen Termin (und bei der Portraitfotografie ganz allgemein) ist für mich aber nicht die Technik, sondern die Arbeit mit so vielen Menschen in so kurzer Zeit. Normalerweise, wenn jemand zu mir ins Studio kommt und von mir portraitiert wird, dann wird zuerst mal Kaffee, Tee usw getrunken, wir plaudern ein wenig, lernen uns ein wenig kennen und haben die Möglichkeit uns ein wenig anzunähern. Das halte ich für einen wesentlichen Bestandteil in der Portraitfotografie.
Vielen Menschen ist es sehr unangenehm vor so einer Kamera zu stehn, inmitten von Licht und Technik. Die sind schon verunsichert und dann donnern wir auch noch mit Blitz und Kamera auf sie ein. Nur wenn man einen persönelich Bezug aufbaut und ihnen hilft, die Kamera zu vergessen, hat man eine Chance ein ehrliches, authentisches Foto zu machen. Wenn mir mein Gegenüber sein wahres Ich nicht zumindest für einen Bruchteil einer Sekunde zeigt, weil er sich hinter einem schüchternen, verkrampften Gesicht versteckt, wird das Foto auch dementsprechend aussehen.
Die Zeit, die ich mir üblicherweise dafür nehme, bleibt mir dort natürlich nicht. Also muss alles sehr komprimiert und kurz geschehen. Der erste, vielleicht wichtigste Punkt, der mir an diesen 2 Tagen wieder sehr intensiv aufgefallen ist – bevor sich jemand vor meine Kamera stellt, schüttle ich ihm zumindest die Hand. Das klingt jetzt selbstverständlich, ist es aber anscheinend nicht für alle.
Ich sehe einerseits Fotografen, die so auf ihre Technik konzentriert sind, dass sie wohl einfach vergessen, dass sie hier in erster Linie mit Menschen arbeiten. Und auch bei den Besuchern ist mir aufgefallen, dass jeder Zweite einfach an mir vorbeigehen und sich gleich brav zum Licht stellen wollte. Ein Händedruck und eine kurze Vorstellung (auch wenn ich weiß, dass ich mir Namen sowieso schwer merke, schon garnicht 230 an 2 Tagen 😉 kann schon helfen.
Der Händedruck mit dem wir uns begrüßen hat ja eine sehr sinnvolle Geschichte. Jemandem die Hand reichen heißt – ich will dir nichts böses, ich zeige dir meine offene Handfläche, reiche dir die Hand, bin dir wohlgesonnen.
Das mag für manchen komisch klingen, aber psychologisch betrachtet ist das noch immer so. Außerdem stellt man sich dabei kurz vor und schaut sich zumindest für ein paar Sekunden in die Augen, kann sein Gegenüber anlächeln und bekommt zu 100% ein kleines Lächeln zurück. Allein das hilft schon enorm für die Portaits.
Lächeln ist schön, aber keine Pflicht
In einem Lächeln liegt viel Charakter eines Menschen. In dieser einen Sekunde kann man förmlich auslesen, ob der Mensch grad eher nervös, schüchtern oder verunsichert ist und noch vieles mehr. Das braucht Übung und vor allem Interesse an Menschen, aber du wirst sehen, aus einem Lächeln schaut so viel mehr heraus als nur strahlende Zähne. In diesem Moment entscheide ich meistens, was ich mit meinem Gegenüber mache.
Eher ein lachendes, fröhliches, helles Portrait, oder ist er/sie unsicher, lasse ich ihn/sie lieber von mir und der Kamera wegschauen und mache ein Profil.
Oder gefällt mir das Profil einfach sehr gut und ich möchte deswegen eher ein seitliches Portrait … Verwende ich den Beautydish von oben und einen
Reflektor darunter um ein sehr helles, voll ausgeleuchtetes Portrait zu machen …
Einige weiterführende Details zu Portraitfotografie habe ich in diesem Artikel zusammengefasst: Portraitfotografie: Was du für den Einstieg wissen mußt
Wie man Menschen vor der Kamera locker kriegt, wie man sich in sie einfühlt und auch möglichst schnell herausfindet, welchen Typen man wie genau fotografiert, zeige ich im Detail in meinem Workshop „Charakterportrait – Fotografie & Psychologie„.
Ich halte diesen Teil für den Wichtigsten in der Portraitfotografie, der auch viel Übung und sicherlich einige Jahre Erfahrung braucht. Ich bin selbst noch am lernen und werde damit bestimmt nicht aufhören. Wenn man auf diesem Gebiet aufhört dazuzulernen, sollte man die Portraitfotografie vermutlich bleiben lassen. Jedenfalls hab ich mir das für mich so vorgenommen.
Wenn du alles über die Arbeit mit Blitzen lernen willst, habe ich dafür im Shootcamp einen eigenen Kurs gemacht, das „große Blitzen 1×1„.
Zum Umgang mit Menschen vor der Kamera, Psychologie, Licht und allem, was du für Portraitfotografie wissen musst habe ich im Shootcamp den Kurs „Menschen fotografieren“ gemacht. Du kannst mit diesem Webinar kostenlos starten: https://shootcamp.at/3-schritte
Wie arbeitest du mit Menschen vor der Kamera? Was sind deine Do´s und Don´ts? Teile sie mit uns allen in den Kommentaren!



