Deine 7 schmerzhaftesten Fehler als Fotografie Anfänger

Deine ersten 10.000 Fotos sind die schlechtesten, die kannst du pauschal in den Müll werfen. Zu hart? Möglich, aber so hat das Henri Cartier-Bresson gesagt. Angeblich. Viele schieben das Zitat auch Helmut Newton in die Schuhe. Ich persönlich glaube ja, dass jeder Fotograf, der bei 100.000 Fotos ankommt zu genau dem selben Schluss kommt. Ich zähl mich jedenfalls dazu :-)

Wir hatten alle irgendwann mal keine Ahnung, außer, dass es uns reizt Ahnung zu haben und richtig gut zu werden. Diese Motivation und dieser enorme Energieschub sind meist auch der Hauptgrund, warum man die Anfangszeit übersteht und nicht gleich frustriert und demotiviert aufgibt.

Ich denke, wenn man die gröbsten Fehler zumindest von vornherein kennt und darauf achtet nicht in diese Fallen zu tappen, dann erspart man sich sehr viel nervaufreibende Zeit und man hat für den Lernprozess länger und mehr Energie übrig.

Deshalb möchte ich dir hier die aus meiner Sicht 7 schmerzhaftesten Fehler auflisten, die man zu Beginn in der Fotografie machen kann. Und natürlich auch Wege, diese zu vermeiden.

 

1. Zeit und Angst

Klar, wenn man neues lernt, will man dabei schnell sein, du willst morgen besser sein als heute und du willst dich gut dabei fühlen. Reihenweise Fehler einzugestehen, von vorne zu beginnen und sich für jede Kameraeinstellung Zeit nehmen fühlt sich zu Beginn nicht sehr gut an. „Was denken denn da die Anderen, wenn ich ewig an meiner Kamera herumdrehe, ich sehe aus wie ein Anfänger“. Ja, und das ist ok, warum auch nicht. Besser ein paar Sekunden oder auch Minuten mehr damit verbringen, dafür aber ruhig und konzentriert, wenn am Ende ein gutes Bild steht, als schnell, hektisch und mit einem Schweißfilm auf der Stirn an der Kamera herumfuchteln und kein gutes Ergebnis hinkriegen.

Nimm dir Zeit die Grundlagen zu lernen und auch wirklich zu verstehen und dann – genauso wichtig – nimm dir die Zeit um sie bei jedem Bild anzuwenden. Schnell wirst du mit der Zeit von allein. Und bitte hab keine Angst vor Fehlern. Mach dir immer bewußt, dass du kein Pilot oder Arzt bist, es liegen keine Menschenleben in deiner Hand. Wenn ein Foto schlecht wird, passiert nichts, außer, dass du eine Gelegenheit bekommst, etwas daraus zu lernen.

Ein sehr einfacher Spruch hilft, etwas zu entschleunigen und sich nicht zu hetzen – „Fotografieren braucht Zeit. Wer sich die nicht nehmen will, kann ja knipsen“.

2. Zu viel Geld in Technik investieren

Auch klar, wir lieben Fotografie natürlich wegen der schönen Bilder, aber die tollen Kameras sind es, die uns vermeintlich versprechen, dass ganz automatisch bessere, schönere Fotos aus ihr rauskommen. Jahrzehntelanges Marketing hat uns das so vermittelt.

Stimmt aber nicht.

Ganz im Gegenteil.

Es ist wie mit Rennwagen. Ein Formel 1 Wagen hat kein ESP, kein ABS, keine dieser ganzen gemütlichen und angenehmen Funktionen, die das Fahren für dich einfach machen. Im Gegenteil. Um einen Formel 1 Wagen mit hoher Geschwindigkeit steuern zu können brauchst du Erfahrung, Können, Wissen, mußt fit sein usw.

Ähnlich ist es auch mit High End Kameras. Kurz – Je mehr Profiliga die Kamera, desto mehr muss der können, der sie bedient. Fang lieber an mit dem was du schon hast oder einer günstigen Spieglereflex oder Spiegellosen Kamera. Konzentiere dich zuerst auf dein eigenes Auge, deine Wahrnehmung, um all die anderen unzähligen Bereiche der Fotografie, teure Ausrüstung brauchst du erst viel viel später, wenn du mit deinem Equipment wirklich „unterfordert“ bist. Ein guter Fotograf kann mit einer günstigen Kamera seinen Kunden befriedigen. Ein schlechter Fotograf kann aus der teuersten Kamera kein gutes Bild holen.

Was ist das Minimum, das du brauchst, um loszulegen? Ganz ehrlich? Alles was heutzutage ein Bild machen kann. Und zumindest ein Smartphone mit Kamera hast du vermutlich ständig dabei. Für den Start reicht das völlig.

Bevor du zu viel Geld in eine neue Kamera steckst, stell dir mal diese Fragen die ich dir hier zusammengestellt habe um herauszufinden, welche Kamera überhaupt zu dir passen könnte. Vielleicht mußt du ja garnicht so viel investieren:

3. Schluss mit Zoom, Bewegung ist gefragt!

Natürlich ist ein Zoom auf dem Objektiv praktisch. Paßt der Bildausschnitt nicht ganz, kann man sich leicht helfen, indem man einfach dran dreht und den Ausschnitt verändert. Eigentlich sollte der Zoom aber nur verwendet werden um gezielt mit einer anderen Brennweite zu arbeiten. Ein Foto mit Weitwinkel sieht anders aus, als eines mit Teleobjektiv. Danach solltest du den zoom verwenden. Und dafür gibt es einen haufen andere Regeln als nur Bildausschnitt.

Wenn du nur den Ausschnitt verändern willst, beweg dich lieber. Deshalb empfehle ich in meinen Workshops und Kursen auch immer zu Beginn eine Fixbrennweite (z.b. 50mm) anzuschaffen. Die zwingt einen einfach zur Bewegung, wodurch wieder neue Perspektiven auftauchen. Das hält nicht nur dich fit, sondern auch deine Fotos lebendiger und abwechlsungsreicher.

4. Automatik Modus

Hier bräuchte ich eigentlich keinen Absatz mehr. Der Auto Modus ist schon der Fehler selbst. Am einfachsten wäre, ihn abzuschaffen. Klar geht das nicht. Aber wenn du Fotografie nur im geringsten weiterentwickeln willst (dass du diesen Artikel nur liest reicht da schon) solltest du den Automatikmodus sofort verbannen. Er verspricht dir, alles selbst zu machen und dir das bestmögliche Ergebnis aus der Kamera zu holen. Das wird aber nur in sehr wenigen Fällen und nur mit Zufall passieren. Die Kamera kann dir deine Entscheidungen nicht abnehmen. Sie versucht immer irgendwie einen Mittelweg zu errechnen und der paßt in den seltensten Fällen. Lerne den Umgang mit Blende, ISO und Belichtungszeit und lass den Automatikmodus hinter dir, bevor du das nicht getan hast, wird dich nichts was du über Fotografie lernen kannst jemals wirklich weiterbringen.

Das selbe gilt übrigens für die Autofokus-Automatik. Autofokus ist ja ok, du drückst den Auslöser halb durch und läßt die Kamera scharfstellen. Aber wähle dabei den Fokuspunkt WO die Kamera scharf stellen soll immer manuell, niemals automatisch. Die Kamera weiß nicht genau, was du scharf haben willst, das mußt du ganz allein entscheiden.
Dauert manchmal länger? Ja, zurück zu Punkt 1 – nimm dir Zeit!

5. Blitz auf oder in der Kamera

Ich hätte gern einen Euro für jede Szene die ich beobachtet habe, wenn Touristen ein Gebäude oder gar einen Berg fotografiert haben und dabei aus vollen Rohren mit ihrer Kompaktkamera geblitzt haben. Das ist in etwa so, als würde man versuchen mit einem Strohhalm den Garten zu gießen.

Das funktioniert einfach nicht. Egal wie sehr du dich bemühst.

Und auch wenn du dich nicht zu diesen Extremfällen zählst, früher oder später hatten wir alle diesen Moment, wo wir versucht haben mit dem internen Blitz der Kamera (oder im besten Fall noch mit einem aufgesteckten) ein gutes Bild zu machen. Das wird aber nicht klappen. Interne Blitze sind „Notlampen“. Mit denen kann man etwass hell machen, was vorher dunkel war. Wenn es nah genug ist. Fertig. Wirklich gute geblitze Fotos kriegt man nur hin, wenn man sich mit diesem Thema auseinandersetzt.

Wenn du aber noch ganz am Anfang stehst, würd ich dir raten, den Blitz vorerst völlig zu ignorieren und zuerst mal den Umgang mit der Kamera richtig zu lernen. Später kannst du dich dann dem Thema Blitzen lernen und du wirst sehen, dass du dir dann auch viel leichter dabei tust!

6. Nachbearbeitung? Sicher nicht, das muss aus der Kamera kommen.

Ein schreckliches Missverständnis in der digitalen Fotografie. Ich weiß nicht, wer damit begonnen hat, aber man hört das Internet immer wieder röhren, dass ein guter Fotograf nicht nachbearbeitet sondern das gute Foto direkt in der Kamera macht.

Das auf ein wahrheitsgetreues Niveau zu bringen ist schwierig. Denn ja, selbstverständlich macht ein guter Fotograf möglichst viel schon in der Kamera. Soll heissen er überlegt sich vorher die Bildkomposition, statt nachher zu beschneiden. Er überlegt sich vorher die Farben die im Bild sind und welche Information da drin steckt, statt nachher zu retuschieren oder stundenlang zu reparieren. Vor allem weiß ein guter Fotograf, wie er mit Licht umzugehen hat, denn dafür gibt es nicht wirklich viel Reparaturmöglichkeit in der Bearbeitung.

Trotzdem ist ein gewisses Maß an Ausarbeitung nötig. Früher hat man mit der Auswahl des richtigen Films entschieden, wie die Farbgebung und die Stimmung im Bild sein soll. Mit dem Labor hat man später bei der Ausarbeitung auch nachbearbeitet, also manche Bereiche im Bild aufgehellt oder abgedunkelt, ihnen mehr oder weniger Präsenz im Bild gegeben usw. Es ist einfach ein großer Irrtum, der aus Halbwissen resultiert, dass „früher alles besser war, weil da hat keiner bearbeitet“. Das stimmt einfach nicht.

Sich mit Lightroom auseinanderzusetzen und ein wenig Bearbeitung in das Bild einfließen zu lassen ist nicht nur erlaubt, es ist nötig. Diese Art der Bearbeitung war immer schon ein Bestandteil der Fotografie. Was aus der Kamera kommt ist nur ein rohes Bild, wie früher das Negativ, das einfach so noch nicht fertig ist.

7. Zu viel im Bild

Wie schon in Punkt 6 angesprochen überlegt sich ein guter Fotograf vorher, was ins Bild kommt und was nicht. Ein klassischer Fehler bei Anfängern ist das „überfüllte“ Bild. Wenn du viel Information in einem Bild steckt, zu viele Leute, zu viel Ablenkung im Hintergrund usw in dem Bild sind, dann wird der Blick des Zusehers nicht klar auf ein Hauptmotiv gelenkt. Je weniger im Bild, desto klarer die Aufmerksamkeit, desto besser nimmt der Betrachter das Bild wahr. Weniger ist in dem Fall tatsächlich mehr. Später kann man nach der Reihe Inhalte ins Bild bringen und du wirst dann auch lernen, dass bei den „großen alten Meistern“ selbst dann, wenn viel im Bild zu sehen war, kein einziges Teil zufällig dort war, sondern ganz genau geplant und beabsichtigt.
Diese Liste könnte man sicherlich leicht auf 70 Punkte erweitern, aber ich denke, dass diese 7 Punkte einen sehr guten Start ermöglichen. Wenn du das beherzigst und berücksichtigst, wird dir der Einstieg viel leichter fallen, du wirst dir weniger Druck machen, dir Zeit nehmen und schneller dein Ziel erreichen.

Hilf auch anderen, aus deinen Fehlern zu lernen: Welche Fehler kennst du von dir selbst, auf die Andere ruhig verzichten können? Teile deine Erfahrung in den Kommentaren ;-)

 

4 Responses to “Deine 7 schmerzhaftesten Fehler als Fotografie Anfänger”

  1. Wagner Claudia

    Wenn scharf gestellt noch näher ran …Das geht halt nun gar nicht mehr ? aber passierte mir oft …

  2. Ara

    Meine 7 Fehler (neben 10.000 anderen):
    1) Auf der Digitalkamera UV-Filter aufschrauben
    2) JPG fotografieren und Weißabgleich vergessen
    3) ISO drölfzigmilliarden (wer benötigt schon Lichtstärken < 1:6 – siehe auch Punkt 4)
    4) Teure Kamera vor besserem Glas anschaffen
    5) Digitale Fotos (auch verschossene) horten (aka digitale Müllhalde)
    6) Gefühlte 100kg Ausrüstung mitschleppen… und dann doch nur genau eine Festbrennweite verwendet (warum nicht gleich :) )
    7) Kein Backup (zum Glück ist bis zum Einrichten eines solchen nichts passiert – Tip: Regelmäßiges Rücksichern testen nicht vergessen!)

  3. Christian Anderl

    Gegen den UV-Filter spricht eigentlich nicht SO viel, vorausgesetzt er ist geputzt. Schützt zumindest das Objektiv ;)
    Die anderen sind ebenfalls Klassiker, stimmt. Man könnte natürlich auch eine Liste mit den 20 oder 50 meistgesehenen Fehlern machen. Vielleicht wird das dann einfach eine Serie ;-)

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