Kalkulation und Steuer | Christian Anderl

Kalkulation und Steuer

Frage:
Hallo Christian, erstens mal DANKE dafür dass du dir das Ganze antust!! Zu mir, ich bin seit kurzem selbstständiger Fotograf und daher darf ich auch eine kleine Buchhaltung führen (Ein uns Ausgaben). Dazu schon meine erste Frage und zwar auf wie viele Jahre wird in der Regel eine Kamera bzw die Ausrüstung abgeschrieben?? Des weiteren wie kalkulierst du ca. den Preis für ein Shooting? Wie wird da is Nachbearbeiten miteinbezogen bzw das Foto machen vorher mit Ausrüstung usw?

Zu deiner ersten Frage gleich vorweg – ich hab mir vom ersten Tag meiner Selbstständigkeit an einen Steuerberater geleistet. Und ich würde das auch dringend jedem Selbstständigen empfehlen. Und zwar in jeder Branche. Es ist ein Dschungel, ganz ohne Übertreibung. Und es frisst sehr viel Zeit, vor allem wenn man nicht genau weiß, was man tut. Klar kostet ein Steuerberater auch wieder Geld. Aber einerseits kann man das ja auch als Ausgabe verbuchen und abschreiben und andererseits erspart es einem derart viel Zeit, Nerven und auch unterm Strich Geld, dass man reinen Gewissens sagen kann, diese Investition rentiert sich 😉 Ausrüstung / Kamera usw wird in der Regel auf 4 Jahre abgeschrieben soweit ich weiß.

Preiskalkulation ist keine einfache Sache in der Fotografie wie in jeder Kreativbranche. In eine anständige Kalkulation muss natürlich alles rein. Unsere Arbeit kostet eine Menge Geld, damit wir sie überhaupt machen können. Und es wäre ein riesen Irrtum anzunehmen, dass wir das gern selbst bezahlen, nur um unseren Job machen zu können 🙂 Das muss – wie in jedem anderen Geschäft und bei jeder anderen Firma – selbstverständlich in die Kalkulation. Selbst beim Schnitzelwirt ums Eck kann ich sicher sein, dass ich nicht nur das Schnitzel bezahle.
Ich zahle dort selbstverständlich:

  • Die Mitarbeiter
  • Die Miete fürs Geschäft
  • Besteck sofern vorhanden
  • Buchhaltung und Büroarbeit
  • Arbeitskleidung (bei Hooters sehr günstig)
  • Reinigung weil ich Mist mache
  • Werbung weil ich sonst nicht kaufe
  • Versicherungen weil ich auch was ruinieren könnte
  • Firmenauto
  • Telefon und Internet
  • usw…

In der Fotografie ist das nichts anderes. Leider übersehen und vergessen sehr viele beim Einstieg in die Fotografie das. Wenn es ein Preisverfall Problem in der Fotografie gibt, dann nur weil zu viele zu einfach denken. “Kamera kaufen, fotografieren, fertig“. Und dann natürlich annehmen, man könne weit unter den marktüblichen Preisen anbieten. Wobei tragischer Weise viele anfangen zu arbeiten ohne überhaupt eine Vorstellung von marktüblichen Preisen zu haben. Was in weiterer Folge dazu führt, dass Kunden diesen Irrtum als marktüblich annehmen und wir ihnen das erst wieder erklären müssen.

Um nicht bei jedem ausgeschickten Angebot alle Posten detailliert anzuführen, errechnet man sich mal mit all seinen Ausgaben und Aufwänden einen Tagessatz. Das Honorar, das man für einen Tag fotografieren inkl. mitgebrachter Ausrüstung verrechnet. Darin enthalten ist die eigene Ausrüstung, Computer, Werbeausgaben, Websitekosten, Steuerberater und natürlich auch sämtliche Arbeit die man abgesehen vom Fotografieren selbst aufwenden muss, um ein Unternehmen zu führen usw. und natürlich noch unser eigener Stundenlohn, der idealer weise nicht unter dem einer Reinigungskraft liegen sollte. (Dabei auch keinesfalls vergessen, dass Steuern und SVA im Schnitt die Hälfte der Rechnungssumme ausmachen.) Im Durchschnitt liegen diese Tagessätze bei uns um die € 1.500,- pro Tag. (Wir setzen hier professionelles Equipment natürlich voraus!) Die Tagessätze variieren natürlich auch von Sparte zu Sparte. Pressefotografie hat ganz andere Anforderungen, Zeitabläufe und auch Preise als Portrait oder Werbung.

Dazu kommt dann die Nachbearbeitung, je nachdem wie lang diese dauern wird und wie aufwändig sie wird. Außerdem kommen noch eventuelle Anreisekosten dazu und Nutzungsrechte je nachdem wie die Fotos verwendet werden.

Wie gesagt, Kalkulation ist nichts wozu man eine Pauschalantwort geben kann und Musterkalkulationen machen nur bedingt Sinn. Davon gibts zwar einige im Netz, man muss aber eben zuerst wirklich gut überlegen wie die eigenen Ansprüche und der eigene Arbeitsablauf aussehen. In jedem Fall würde ich jedem Einsteiger in die professionelle Fotografie (oder auch alle anderen Dienstleistungen auf selbstständiger Basis) DRINGEND dazu Raten, diesem Punkt in der Vorbereitung der Selbstständigkeit sehr viel Zeit und Zuneigung zu widmen. Das ist einer der wichtigsten Punkte für Erfolg oder Misserfolg als Selbstständiger.
Zum Thema Preiskalkulation hab ich schon mal in einem anderen Zusammenhang einen sehr detaillierten Absatz in meinem Blog geschrieben, der in den Kommentaren für einige Diskussionen gesorgt hat. Ich freu mich auch weiterhin über jede Diskussion zu diesem Thema.

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