Reprofotografie richtig gemacht | Christian Anderl

Reprofotografie richtig gemacht

Frage:
Was muss ich beachten, damit beim Fotografieren von historischen Fotos möglichst wenig Qualitätsverluste entstehen? Welche Mindestauflösung ist zB erforderlich?

Nachdem ich kaum bis garkeine Reprofotografie mache, darf ich diese Frage an einen Experten auf dem Gebiet weitergeben und freu mich dass der Werbe- und Reprofotograf Jochen Seehammer aus Köln diese Frage beantwortet:

Ein Repro von einer Fotografie zu erstellen ist gar nicht so schwierig. Man sollte einzig mit etwas Präzision und Überlegung daran gehen. Das abzulichtende Bild sollte möglichst plan liegen und die Filmebene (Sensor/Film) parallel dazu ausgerichtet sein. Die Planlage kann man z.B. durch eine dünne, saubere und nicht verkratzte Glasscheibe erzielen. Die Reflexe in der Glasscheibe werden durch die Anordnung der Beleuchtung im 45° Winkel zu Bildebene minimiert (-> Einfallswinkel = Ausfallswinkel). Damit die Kamera nicht zu sehr angestrahlt wird, und damit als Reflex in der Scheibe zu sehen ist, sollte man den Abstrahlwinkel der Beleuchtung so knapp wie möglich halten, evtl Abschirmklappen verwenden. Ein guter Plan ist da, je nach Größe des abzulichtenden Bildes, eine lange Brennweite zu verwenden, dann kommt man noch weiter von der Glasscheibe weg und hat besser Kontrolle über das Streulicht.

Als Objektiv würde ich eine hochauflösende Festbrennweite um die 100mm wählen und auf optimale Blende (8 oder 11) abblenden. Die notwendige Auflösung hängt sehr stark von dem Motiv und dem gewünschten Resultat ab. Man könnte sich bei der Auflösung auch an der Korngröße des Bildes orientieren, die war aber grade bei historischen Fotos (erfreulich) klein, so dass dies mit üblichen Mitteln kaum reproduzierbar ist.

Ich würde immer vom Zielformat in einer Druckqualität von 300dpi, also der üblichen Auflösungsgrenze des menschlichen Auge, ausgehend zurück rechnen. Also wenn ich ein 8″x10″ Original auf dreifache Größe reproduzieren möchte, dann muss ich auch mit der dreifachen Auflösung (3 * 300dpi = 900dpi) fotografieren. Auf das Ursprungsformat gerechnet, sollte ich also mit mindestens (10″ * 900dpi =) 9000px x (8″ * 900 = ) 7200px fotografieren.

Soweit die Theorie. Will man nicht gleich auf eines der dänischen Digitalbacks zurück greifen, bleibt einem der Weg Einschränkungen zu machen. Will ich nur eine 1:1 Reproduktion erstellen, reicht bei dem Beispiel bereits eine Digitalkamera mit knapp über 7 MPixel. Um den sicheren Weg zu gehen, würde ich von einer etwas höheren Auflösung  des Originals ausgehen und wäre damit bei einem Digitalsensor mit 20 – 30MPixel.

Relativ schnell und einfach kann man Fotos allerdings auch mit einem Flachbettscanner digitalisieren. Die von den Herstellern der handelsüblichen Scannern angegebenen Auflösungen, möchte ich jedoch anzweifeln. Die Bilddaten mögen vielleicht die Auflösung vorweisen, ob die Scanner jedoch auch optisch/mechanisch in der Lage sind dies zu produzieren wäre im Einzelfall zu überprüfen. Da kann ich leider keine Empfehlung aussprechen.

Der Vollständigkeit halber sei nur noch der Weg über eine analoge Reproduktion im Kontaktverfahren erwähnt. Dabei spielt jedoch das Papier des Originals und eventuelle Verschmutzungen und Beschriftungen auf der Rückseite mit hinein. Im übrigen ist die früher übliche Schwefel- oder Goldtonung nur schwer zu reproduzieren. Dies ist also nicht unbedingt so einfach möglich (oder gar unmöglich) und sollte anhand der Originale geprüft werden.

JochenS-5336_kleinÜber den Autor

Jochen Seelhammer fotografiert seit 35 Jahren, anfänglich als Amateur, verdient er seit zwischenzeitlich 10 Jahren seine Brötchen mit der Fotografie.
Sein Schwerpunkt in der Werbefotografie liegt im Still/Produkt Bereich. Durch umfassende Kontakte in die regionale Kunstszene hat er im Laufe der Zeit die Reprofotografie verfeinert und arbeitet sowohl für namhafte Künstler, Sammler und Galerien.
http://www.reprofotografie.com
http://www.seelhammer.de

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