Sonnenuntergänge fotografieren | Christian Anderl

Sonnenuntergänge fotografieren

Frage:
Hallo Christian,
ich habe vor kurzem versucht, einen Sonnenuntergang zu fotografieren und bin da irgendwie kläglich gescheitert. Die Farben haben gar nicht gestimmt und und und…  Auf was muss ich achten, wenn ich so etwas fotografieren muss und welche Einstellungen von Zeit, Blende & Iso (so ungefähr natürlich) muss ich verwenden? Vielen lieben Dank schon mal!
Verena

Sonnenuntergänge sind auch durchaus eine Herausforderung. Schon allein deshalb, weil es da kaum ein pauschales “richtig” oder “falsch” gibt. Aber vielleicht ein paar Anhaltspunkte und Richtlinien die dich auf den Weg bringen können, mit deinen Sonnenuntergängen zufriedener zu werden:

Zeit nehmen

Zuerst mal würd ich mir grad zu Beginn viel Zeit für das Fotografieren eines Sonnenuntergangs nehmen. Mit der Zeit wird man – wie bei allem in der Fotografie – dabei schneller und kann einen Sonnenuntergang auch auf den ersten Blick besser einschätzen. Zu Beginn würd ich mir eine gemütliche halbe Stunde Auszeit nehmen und mich ohne Stress auf diese Aufgabe konzentrieren. Erwarte nicht von dir selbst da hinzugehn, einmal mit den “richtigen Einstellungen” abzudrücken und mit dem einen perfekten Sonnenuntergangsfoto heimzugehn. Das frustriert nur 😉

Raus aus dem Automatik Modus

Solltest du den verwenden. Der Automatik Modus tut sich bei Sonnenuntergängen meist noch schwerer, als wir selbst. Und noch ein Hindernis mehr können wir da wirklich nicht brauchen 😉 Verwende lieber z.b. den AV Modus (oder oft auch A Modus) bei dem du die ISO und Blendeneinstellung wählst und der Kamera die Belichtungszeit überläßt. Richtig Blenden/Belichtungszeit Einstellungen kann ich dir per Ferndiagnose leider nicht sagen, weil es ja auch die Lichtmenge des Sonnenuntergangs ankommt. Aber mit der Halbautomatik (AV oder TV) hast du auch Kontrolle über die Unter/ oder Überbelichtung: Kommt dir das Bild zu hell vor, weil die Kamer überbelichtet, korrigier die Belichtung um ca. 2/3 Stufen nach unten und versuchs nochmal. Wenns zu dunkel wird, weil die Kamera unterbelichtet, Belichtungskorrektur nach oben und gleich nochmal. Da muss man sich oft herantasten, weil jeder Sonnenuntergang etwas anders ist.
Du kannst auch, wenn du lieber die Belichtungszeit manuell kontrollieren möchtest, den TV Modus (oder oft S Modus) verwenden. Dann gibst du ISO und Belichtungszeit vor und die Kamera wählt die Blende dazu.

Stativ verwenden

Um die ISO möglichst niedrig zu halten (um Bildrauschen zu vermeiden) und die Blende eventuell etwas weiter zumachen zu können für mehr Schärfe in der Tiefe des Bildes, ist eine längere Belichtungszeit nötig. Außerdem fängt eine längere Belichtungszeit auch etwas mehr Umgebungslicht ein. Also am besten ein Stativ für schöne Sonnenuntergänge verwenden wenn möglich. Wenn keins zur Hand ist, findet sich meistens auch eine Unterlage auf die man die Kamera legen und mit dem Selbstauslöser auslösen kann. (Damit beim drücken des Auslösers nicht verwackelt werden kann)

Weißabgleich

Nicht den Automatischen Weißabgleich verwenden, der trifft bei Sonnenuntergängen sehr oft nicht, was zu “falschen” oder nicht schönen Farben führt. Für Sonnenuntergänge würd ich die Weißabgleich Voreinstellung “Wolkig” oder “Schatten” empfehlen. Das bringt etwas wärmere Farben ins Bild. Aber auch ruhig mit der “Sonnenlicht” Einstellung mal probieren. Manchmal ist ein falscher Weißabgleich auch ein schönerer Weißabgleich 😉

Bildgestaltung nicht vergessen

Nicht immer ist ein Sonnenunterang am schönsten fotografiert wenn nur Himmel und Horizont zu sehen sind. Vielleicht findet sich im Vordergrund ein Motiv, das noch Teil des Bildes werden kann und das Foto noch interessanter gestaltet. Grad bei Sonnenuntergängen vergißt man oft das gesamte Bild zu gestalten und hofft es würde reichen nur die schönen Farben einzufangen. Drittelregel nicht vergessen (oder nicht vergessen sie zu brechen ;)) und den Horizont auch ruhig mal weiter an den unteren oder oberen Bildrand bringen.

Auf Auge und Sensor achten

Weniger ein Tipp zur Verbesserung, aber ein Sicherheitstipp der im Umgang mit Sonne und Kamera generell wichtig ist – Nie mit der Spiegelreflexkamera in die pralle Sonne schauen ohne einen ND Filter zu verwenden. (Ein Graufilter der weniger Licht durch die Linse läßt um die Belichtungszeit zu verlängern) Dabei können die Augen Schaden nehmen und/oder der Sensor der Kamera.
Und abschließend – grad bei Sonnenuntergang und mit einer Digitalkamera würd ich empfehlen – lang vor Ort bleiben, viel Zeit dafür nehmen und viele viele Fotos machen. Sonnenuntergänge verändern im Minutentakt die Lichtstimmung, da läßt sich jede Minute ein anderes Foto machen. Kaum zu einem andren Zeitpunkt des Tages (außer Sonnenaufgang :)) kann man so viel ausprobieren und üben in so kurzer Zeit.

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