Liebe befreundete Fotografen und Kollegen, es tut mir leid! Ich hab euch Wochen- sogar monatelang belogen und ich fĂŒhl mich grad sehr erleichtert, dass ich endlich mit der Wahrheit rausrĂŒcken kann. Ja, ich war einer von 5 GlĂŒcklichen in Europa, die mit der Canon EOS 5D mkIV arbeiten konnten, lang bevor die GerĂŒchte ĂŒberhaupt ernstgenommen wurden. Und ich bin vermutlich der Einzige der verrĂŒckt genug war, Foto und Film zugleich damit zu machen.
Nachahmen wĂŒrd ich wirklich nicht empfehlen und ich werd auch gleich erklĂ€ren warum. Erst mal – ich bin erleichtert, dass ich endlich nicht mehr lĂŒgen muss und ich tus nie wieder, versprochen. Das ist anstrengend đ Also, hier meine Erfahrungen mit der 5D mkiV aus erster Hand:
Die „Gamechanger Familie“ 5D
Ja, ich mag das Wort auch nicht, aber wenns wahr ist, darf mans auch mal sagen. Und die 5D hat nun mal Alles verĂ€ndert. Ich mache hauptsĂ€chlich Portraits, Editorial, Werbung und auch Imagefilm und Musikvideos. Der Grund warum ich das alles angefangen habe zu kombinieren ist die Canon EOS 5D Serie. Ich hab immer schon beides geliebt, Fotografie und Film. Nur war Film unleistbar. Bis eben Canon mit der 5D mkII auf den Markt kam. Plötzlich war „Film Look“, also TiefenunschĂ€rfe in spitzen VideoqualitĂ€t mit der selben Kamera möglich, mit der ich auch meine Portraits und Editorials fotografieren konnte. Danach kam mit der 5D mkIII ein teilweise zu erwartendes Update mit erheblich besserem Autofokus der bis heute noch einer der Besten am Markt ist, erheblich besserer ISO Performance, einem Rauschen bei höheren ISO Bereichen das nicht mehr hĂ€sslich war sondern fast schon ein wenig an Filmkorn erinnert hat (etwas, das nach wie vor manche Leute absichtlich in ihre digitalen Fotos packen) … Ja, die mkIII war schon eine feine Kamera. Aber ehrlich, wir warten doch lĂ€ngst auf die 5D mkIV, richtig?
Ich hab mich lang und oft gefragt, was Canon wohl in der 5D mkIV bringen könnte. Um ehrlich zu sein, mir hat mit der mkIII bisher nichts gefehlt. FĂŒr Megapixel ohne Ende gibts die 5DS(r), mit allem anderen war ich bis dato recht glĂŒcklich. Irgendwie wuĂte ich garnicht, was zu erwarten wĂ€re. Der ĂŒblichen Jammerei was denn nicht alles besser sein könnte schlieĂe ich mich generell nicht an, davon halt ich nicht viel. Kameras sind einfach Werkzeuge fĂŒr mich. Werkzeuge die mir ermöglichen sollen meine Arbeit zu tun. Wenn sie mir dabei helfen sie schneller, einfacher oder besser zu machen, bin ich dabei.
Dann hat Canon mich und noch 4 andere Fotografen in Europa gefragt, ob wir diesen Sommer nicht Lust hĂ€tten mit der neuen EOS 5D mkIV zu arbeiten, lang bevor sie veröffentlicht wird. Was denkt ihr wohl? đ Wie immer hab ich Canon auch dieses mal natĂŒrlich gesagt – ich sag nicht, dass ich euer Zeug super find, wenn ichs nicht super find. Aber sie schienen recht sicher zu sein, dass sich mir die Frage nicht lange stellen wĂŒrde.
Eigentlich hĂ€tte ich ja das machen sollen, was ich sonst auch mache. NĂ€mlich Portraits, Menschen fotografieren. Ein paar schöne Promotion Fotos von einer Band mit der wir gleichzeitig ein Musikvideo mit der 5D mkIV drehen. Mark Rodway als Regisseur, Matt Taylor als DOP, ich mach dazu Promo Fotos und Portraits. Klingt nach SpaĂ. WĂ€re da nicht die Plattenfirma 3 Tage vor dem Shooting Termin draufgekommen, dass ihr SĂ€nger nicht Autofahren kann. Unpraktisch, fĂŒr ein Video in dem viel gefahren wird. Der langen Rede kurzer Sinn – nach viel hin- und her haben wir beschlossen, ich mach Promo-Fotos und ein Behind The Scenes Video von der Kamera in Arbeit bei einem Filmdreh. Auch eine groĂe Herausforderung und vor allem eine gute Möglichkeit fĂŒr mich, die Kamera wirklich auf Herz und Nieren zu testen.
Normalerweise rate ich dringend davon ab, Foto und Film zeitgleich zu machen. In diesem einen Fall, weil es ja auch darum ging die Kamera kennenzulernen, hab ich eine Ausnahme gemacht. Was ich allerdings nicht wuĂte – ich hĂ€tte 2 Kameras bekommen sollen, eine fĂŒr Film und eine fĂŒr Foto (das Setup ist sehr unterschiedlich und so hĂ€tten wir enorm viel Zeit und Nerv gespart) … Eine der Kameras war mit Ulla Lohmann in einem Vulkan. Richtig gelesen. IN einem Vulkan. Ulla ist wirklcih eine tolle Fotografin und vor allem ein sehr lieber Mensch. Aber eben auch verrĂŒckt. Und wenn man ihr eine Kamera gibt und sagt „probier mal was die kann“, dann muss man mit sowas rechnen. Das wirklich erstaunliche – die Kamera hat ĂŒberlebt! Halb geschmolzen, aber absolut funktionstĂŒchtig. Einzig der Finder war etwas sehr dunkel, man hĂ€tte die Mattscheibe tauschen mĂŒssen. Wir hatten dafĂŒr weder Material noch Zeit in Wales, bei 16 Grad und Regen im Hochsommer. Also muĂte ich wohl oder ĂŒbel Fotos und Video mit einem einzigen Body machen. Höchststrafe.
Eines kann man an dieser Stelle aber schon mal sagen – wer Wert darauf legt, dass eine Kamera stabil ist und sich wirklich quĂ€len lĂ€Ăt ist hier wohl richtig. Wenn eine Kamera einen Ausflug in den Vulkan ĂŒbersteht, bei dem alle Anwesenden in HitzeschutzgewĂ€nder gehĂŒllt wurden, nur die arme Kamera nicht, dann aber immer noch funktionoiert … Ich denke dann ist mal alles gesagt was man wissen muss zur Frage „hĂ€lt die auch was aus“.
Moment,… wie bitte?
Als ich die 5D mkIV also endlich in HÀnden hielt, immerhin eine davon, habe ich zuerst einiges gesehen, das ich mehr oder weniger erwartet hatte. 30 statt 24 Megapixel, noch weniger ISO Rauschen, noch besseres Rauschverhalten (das Farbrauschen das bei der mkIII in höheren ISO Bereichen noch zu sehen war ist verschwunden)
4k Video war irgendwie klar, dazu 120fps bei 720p und 60fps bei 1080p fĂŒr Slow Motion. Ja, man könnte ĂŒber 120fps bei 1080p diskutieren. Aber dafĂŒr gibts 4k „Pixel by Pixel“, also vollkommen ohne MoirĂ©e. Und HDR Video, das ist doch auch was. Auch integriertes WLan und GPS, sehr nett. Aber ganz ehrlich, nichts was einen 2016 völlig von den Socken reissen könnte. Ich war zufrieden.
Bis zu dem Moment, als plötzlich in einem GesprĂ€ch so ganz nebenbei und beinahe unbemerkt der Satz fiel „… i think Dual Pixel RAW and refocussing in post is really a lovely …“… Ich hab den Rest garnicht mehr gehört. Moment …. Wie bitte? Fokuskorrektur in der Bearbeitung? Ich glaub ich hatte kurz GĂ€nsehaut. Soll das etwa bedeuten, wenn ich bei offener Blende mit der SchĂ€rfe wieder mal graaaaaaad so daneben liege, kann ich das in der Bearbeitung korrigieren und das Foto vielleicht trotzdem noch verwenden? Im Ernst?
Ja, ganz genau, das heiĂt Dual Pixel RAW bei der Canon EOS 5D mkIV … Ich glaub ich spinn.
Und das funktioniert?
Nach einem von 2 Dreh/Shootingtagen hat sich die neue Funktion im Hotelzimmer am Abend schon erstmals bewĂ€hrt. Das Ziel der Fotos war ein paar schöne Promo Fotos der 5D mkIV zu kriegen. Und selbstverstĂ€ndlich bedeutet das, dass das Logo auf dem der Name der Kamera zu sehen ist gestochen scharf sein sollte. Bei 30 Megapixel ist das schon etwas sensibler als bei 24 die ich vom VorgĂ€nger gewohnt bin. Da gabs zum Beispiel dieses eine Foto, auf dem der DOP Matt Taylor auf der RĂŒckbank des alten BMW sitzt. Ich mag das Bild. Canon mochte es auch. Aber, ratet mal, es war nicht 100% scharf dort wo es scharf sein sollte. Sehr offenblendig aufgenommen, alles in Bewegung, da liegt der Fokus schon mal knapp daneben. Kann passieren, nicht weiter schlimm. Vor allem, wenn man die SchĂ€rfe nachtrĂ€glich korrigieren kann.
Ich bin wirklich kein technisch verliebter Fotograf. Schon lange nicht mehr. Meine 5D mkII muĂte noch sehr lange arbeiten, obwohl die mkIII schon auf dem Markt war. Erst 2015 hab ich das Upgrade gemacht. Aber allein wegen dieser einen Funktion bin ich diesmal sofort an Board.
Und wie sieht die Sache mit dem filmen aus?
Die 5D mkIV hat Autofokus im Videomodus. Ok. Nicht sooo aufregend 2016, richtig? Aber irgendwie dann doch. Denn wie ĂŒblich, wenn Canon sich mit etwas Zeit lĂ€Ăt, dann wirds auch dementsprechend gut. Und dieser Autofokus ist nicht nur fĂŒr Fotos ein Traum, er funktioniert auch fĂŒr Videos hervorragend. Das muss er auch, bei 4K Pixel for Pixel Auflösung. AuĂerdem gibts die „Motrion Tracking AF“ Version, das heiĂt Gesichtserkennung. Ich war wirklich ĂŒberrascht wie gut dieser Autofokus arbeitet. Auch unter widrigsten Bedingungen. Wir haben einen halben Tag lang in einer dunklen Bar gedreht, wirklich wenig Licht, alle Kameras mit der ISO auf 4.000-6.400. Trotzdem muĂte ich kein einziges mal in den Autofokus eingreifen. Ich war 2 Tage lang stĂ€ndig drauf vorbereitet, den Fokus manuell einzustellen, muĂte aber tatsĂ€chlich nicht ein einziges mal eingreifen. Das hab ich nicht erwartet. Erleichtert die Arbeit allerdings ungemein. Das heiĂt fĂŒr mich, ab sofort wird nur noch manuell fokussiert, wenn UnschĂ€rfe beabsichtigt einflieĂen soll, denn unscharf kann die 5D mkIV ganz offensichtlich nicht mehr đ
Insgesamt halte ich die 5D mkIV fĂŒr ein sehr gelungenes update. Gleicher Sensor wie in der 1DxII, wirklich schönes 14 bit Bild, sehr schöne ISO Performance, kein Farbrauschen mehr in den hohen ISO Bereichen, 4k Video pixel by pixel, also kein MoirĂ©e, 120fps bei 720p und 60fps bei 1080p, HDR Video, Autofokus im Videomodus …Aber womit mich Canon diesmal wirklich gekriegt hat, ist Fokuskorrektur in der Bearbeitung.
Hier gibts erst mal das Behind the Scenes Video das ich in Wales mit der 5D mkIV gedreht hab, weiteres Material folgt in KĂŒrze.
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Canon Schweden hat mich heute nach Stockholm eingeladen um ĂŒber meine ersten Erfahrungen mit der 5D mkIV zu erzĂ€hlen in diesem Livestream in der Central Station in Stockholm:
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Hier findest du dazu noch ein Interview mit mir zur Arbeit mit der 5DmkIV auf der Canon Website.: https://www.canon.at/pro/stories/christian-anderl/




